Band 
Zweiter Theil.
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OXi.VI

Erzbischof von Rheims le Tellier an dessen Stelle ge-treten; aber dieser erlauchte Kirchenfürst wußte die Ver-dienste Mabillon's ebenfalls zu würdigen und sein gelehrtesWissen in Anspruch 'zu nehmen. Durch den günstigen Er-folg der deutschen Reise aufgemuntert, machte er dem Kö-nige den Vorschlag, Mabillon nun auch nach Italien zusenden, um theils Bücher für die königliche Bibliothekanzukaufen oder abzuschreiben, theils durch die Resultateneuer Forschungen die Literatur zu bereichern. Und Ludwig,der für Alles, was seines Namens Ruhm erhöhen undden Aufschwung der Literatur in Frankreich befördern könnte,leicht gewonnen wurde, gab alsogleich Befehl, Mabillonsolle nicht nur auf königliche Kosten, sondern auch unterköniglicher Auctorität gleichsam als Gesandter seines Mo-narchen sich zur Reise nach Italien rüsten. Wieder vonW. Germain begleitet trat Mabillon den t. April 1685diese Reise an, nahm den Weg über Lyon, überstieg dieAlpen, besuchte Turin, Mailand, Verona, Padua, Venedig,Florenz, kam den 5. Juni nach Rom, und von da nachNeapel, besuchte fast jede Bibliothek und Kunstsammlungund die Kirchen, die nur immer etwas Merkwürdiges be-saßen, und fand überall die ehrenvollste und freundlichsteAufnahme. Aber seine ganze Reise durch Italien war nichtweniger die Wallfahrt eines frommen Ordensbruders, alsdie Forschungsreise eines Gelehrten. Nachdem er durchfünfzehn Monate Italiens heilige und gelehrte Schätzeemsig durchforscht, in Vergessenheit begrabene Werke derLiteratur an's Licht gefördert, kostbare Bücher gesammelt,und Manuscripte, die um keinen Preis anzukaufen waren,abgeschrieben hatte, kehrte er um die Mitle des Jahres1686 nach Frankreich zurück und bereicherte die königlicheBibliothek mit mehr als dreitausend seltenen Büchern und