90
Baiern erhoben. Aber kaum zu dieser Würde und Macktgelangt -ok Letzterer Allem auf, sich der fränkischen Ober-herrlichkeit zu erwehren, und die Frankenherrscher schrittensogar mit Waffengewalt ein. Odilo sammt einem päpst-lichen Legaten, Sergius, den ihm der heilige Vaterzum Schutze beigegeben hatte, wurden gefangen wegge-führt, aber bald wieder freigelassen. Odilo erhielt sogarsein Herzogthum zurück, aber die Flügel wurden ihm ge-waltig beschnitten. Er starb im Jahre 748, und sein sechs-jähriger Sohn Thassilo II. trat unter Vormundschaft sei-ner Mutter Chiltrud, einer Schwester Pipin's, an seineStelle. Die Mutter starb 754, und der junge Herzog wurdein Pipin's Umgebung gezogen und gleichsam als Geisel zurBürgschaft für seine Treue an dieselbe gefesselt. Alleinschon 757 für volljährig erklärt, riß er 763 plötzlichaus und setzte sich, obgleich er, gezwungenermaßen, ineinem vollen Vasalleneide auf jede Selbstherrschaft verzich-tet hatte, nun aus eigener Machtvollkommenheit wiederaus den baierischen Herrscherstuhl, von dem man ihn that-sächlich heruntergezogen hatte. Er erwähnte bei den Rc-gierungsmaßregeln, die er ergriff, nicht einmal mehr desFrankenkönigs, als seines Oberherrn, und dieser sah sichdurch die Zeitumstände genöthigt, mit Stillschweigendarüber wegzugehen. Erst 781 wird er von Karl demGroßen zur Erneuerung seines Lehnseides gezwungen und78H weil er demselben wieder nicht nachkommt, entsetzt, undstatt der gegen ihn ausgesprochenen Todesstrafe geschorenund in's Kloster gebracht, aus dem er 794 wieder an'sLicht tritt, aber nur, um zu Frankfurt die feierliche Ab-tretung seiner Rechte an den Frankenkönig zu unterzeich-nen und mit diesem letztem Akte vorn Schauplatz derGeschichte zu verschwinden.