Band 
Zweiter Theil.
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den, d. h. in's Innere des Frankenreiches, wodamals, sei es wegen der zahlreichen äußern Feinde, seies durch die Nachläßigkeit der Bischöfe, das christliche Le-ben beinahe verschwunden und bloß das Bekenntniß nochübrig, die Heilmittel der Buße aber und das Verlangennach Abtödtung nur noch bei sehr Wenigen zu findenwaren. Ueberall nun, wohin er zog, verkündete der ehr-würdige Mann das Wort des Evangeliums. Und es gefieldem Volke, daß die Lehre seiner Predigt durch den Schmuckder Beredtsamkeit geziert und zugleich durch die Beispieleder Tugend bekräftigt ward. So groß war seine und seinerGefährten Demuth, daß, sowie die Kinder dieser Welt nachEbre und Ansehen trachten, sie umgekehrt in der Uebungder Demuth einander zu übertreffen strebten, eingedenkjenes Spruches: Wer sich selbst erniedriget, wirderhöhet werden (Luc. 1-1, 11), und der Worte desHöchsten: Auf wen sehe ich, als auf den Armen,der zerschlagenen Geistes ist und meineWortemit Zittern hört? (Jes. 66, 2.) Solche Frömmigkeitund solche Liebe wohnte in ihnen allen, daß sie Ein Wol-len und Nichtwollen hatten. Bescheidenheit und Mäßigung,Sanftmuth und Milde schmückte sie alle in gleichem Maße.Das Laster der Trägheit und der Zwietracht war verbannt,Stolz und Hochmuth wurden durch harte Zucht abgebüßt,Zorn und Neid mit sorgsamem Fleiß ausgetrieben. Sogroß war die Kraft ihrer Geduld, ihrer Liebe und ihrerMilde, daß man nicht zweifeln konnte, der Gott der Sanft-muth sei mitten unter ihnen. Fanden sie, daß Einer vonihnen einen Fehltritt begehe, so bestrebten sie sich alle-sammt mit gleichem Rechte, den Unachtsamen unter Vor-würfen zurechtzuweisen. Sie hatten Alles gemeinsam;wollre Einer etwas als Eigenthum in Anspruch nehmen, so