Band 
Sechster Theil.
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Das Alles war das Werk eines Augenblicks. Es waraber kaum vollbracht, als der Knecht von seiner Ueber-raschung zurückgekommen, vor der Thüre stand und Ein-laß begehrte. Die Frau öffnete. Er forderte sein Opferzurück. Aber dessen Retterin deutete auf den Honiglappen,an welchem das arme Würmchen begierig sog, und dieMacht des Zaubers war gebrochen, das Kind durfte nichtmehr getödtet werden. Der Knecht brach in Scheltworteund Drohungen aus, er fürchtete gar sehr den Zorn seinerHerrin. Aber die Frau wußte ihn zu beruhigen. Sie ver-sprach ihm, keinem Menschen ein Sterbenswörtchen vondem Vorfalle zu sagen und das Kind bis zum Tode seinerbösen Großmutter in aller Heimlichkeit als ihr eigenesaufzuziehen. Dies geschah denn auch, Liafburg trat erst,nachdem Diejenige gestorben war, welche ihr nach demLeben gestanden, in das elterliche Haus zurück, von demsie später Thiatgrim, der zukünftige Vaterunsers Hei-ligen, zum Altare führte.

In ähnlicher Weise wachte die göttliche Vorsehung überLiudger selbst, noch bevor er das Licht der Welt erblickte.Es war, als ob die Hölle ihre ganze Macht aufböte, demKinde, in welchem sie den künftigen Helden fürchtete, dersie aus ihrer Hauptveste treiben könnte, den Eintritt indie Welt abzuschneiden. Seine Mutter stieß sich kurze Zeitvor seiner Geburt einen spitzen Pfahl in die Seite, undsie und die Frucht ihres Leibes schienen verloren. Aberder Schreck war größer, als die Verletzung, doch schon derSchreck hätte sie tödten können, wären sie nicht von Ihmbewahrt worden, ohne dessen Willen kein Haar von unseremHaupte fällt. Wenige Lage darnach erblickte Liudger dasLicht der Sonne in voller Gesundheit.

Die Jahre der Kindheit verlebte der künftige Apostel