Band 
Sechster Theil.
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nähme der bischöflichen Würde entschließen; er berief sichaufdie Forderung des Apostels: »ein Bischof soll ohneTadel sein", und sprach: wenn Petrus sich als einensündigen Menschen bekannte, welcher der Nähe des Herrnnicht würdig sei, was soll ich thun? Liudger war eingroßer Heiliger, aber seine Größe bestand und ruhte haupt-sächlich in seiner Demuth. Doch entziehen glaubte er sichdarum der Stelle nicht zu dürfen, zu der er berufen wurde,er übernahm das Oberhirtenamt über die fünf Gaue, aberin der Weise, in welcher sein unvergeßlicher Lehrer, derheilige Gregor, das seinige über das ganze Frisenlandgeführt hatte, als bloßer Presbyter oder Vorsteher einerEinzelkirche, ausgezeichnet durch die hervorragende Stel-lung, der er zur Leitung eines ganzen Sprengels zu be-dürfen schien. Diese hervorragende Stellung mit den zuihrer Behauptung erforderlichen Einkünften wies ihm dieAlles berechnende Fürsorge des Königs durch seine Er-nennung zum Vorstände des reich ausgestatteten Chor-herrnstiftes Lotusa, der Wiege der heutigen Stadt Leuze,in Brabant zu. Der Heilige aber nahm von diesen Ein-künften nur so viel in Anspruch, als er an den Bedürf-nissen seiner verschiedenen Kirchen nicht aus eigenen Mit-teln mehr bestreiten konnte, und das ihm zugewiesene Stiftstellte sich unter diesem abwesenden Vorstände in jederBeziehung besser, als es sich unter jedem anwesendengestellt hätte. Liudger war ihm ein Vater im ganzen Um-fange des Wortes, er war es aber nicht nur ihm, er wares Allen und Allen, die ihm der himmlische Vater über-geben hatte, er war Allen der treue Hirte, dessen Bild derHerr im Evangelium zeichnete. »Auf welche Weise", sagtsein zeitgenössischer Biograph Altfridus, «Liudger das Amteines Verkündigers des Evangeliums ausübte, und wie