Band 
Sechster Theil.
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gespannten Flügeln, hinter denen das zweite nur zuweilenängstlich hervorspäht, ob es sich nicht bald wieder nachoben strecken könne, ohne im nächsten Augenblicke wiederhinuntergedrückt zu werden; das Oberhaupt des Staatesbetrachtet und gebart sich zugleich als Oberhaupt der Kirche,und der apostolische Stuhl steht sich am Ende genöthigt,ihm die Doppelkrone selbst aufzusetzen und in der Er-neuerung der abendländischen Kaiserwürde die Wiederkehrder Tage Constanstin's, die Wiederkehr der Allgewalt desNeichsoberhaupts zu sanktioniren.

Das durfte nicht so fortdauern, das Lamm durftenicht unter dem Hirtenstabe des Löwen bleiben. Dennwer wußte, wie lange das Wort des Dichters sich be-wahrheitete: »Eines Löwen Großmuth genügt es, dieKörper zu werfen?" wer wußte, wie lange es dem Löwengegeben war, die Natur des reißenden Thieres zu ver-leugnen? Pipin und Karl der Große waren beidegroß, aber der letztere besonders war zu groß, um derHoffnung Nahrung zu geben, sein Geist werde in seinerganzen Fülle auf die Nachfolger übergehen; und die Ver-gangenheit nöthigte zu Vorkehrungen für die Zukunft.Kirche und Staat hatten vereinigt, ja verschmolzen wer-den müssen und mußten verschmolzen bleiben, aber dieLeitung beider, welche zugleich vereinigt worden war, mußtewieder getrennt, der Kirche mußte die Selbstregierung zu-rückerobert werden, wenn die Einführung des Christen-thums und das Christenthum selbst nicht zu Schandengehen und den Völkern zum Segen, nicht zum Fluchewerden sollte. Aber dazu bedurfte es wieder des Zusammen-wirkens aller Faktoren der Weltgeschichte, des Zusammen-wirkens nicht nur der fränkischen mit der übrigen ger-manischen, sondern auch der römischen, der griechischem