Band 
Sechster Theil.
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schieden sich bekanntlich in zwei Parteien, die eine wollteFrieden halten und gute Nachbarschaft mit den Römernund ihrem Bischöfe, dem Oberhaupte der Christenheit, dieandere — und die war weitaus die zahlreichere — drangauf Krieg und auf Bollendung der Eroberung Italiens,insbesondere des griechisch-römischen Gebiets, und aufUnter-jochung der Kirche. Sie hatte den zurückgetretenen Ratchisgegen das Versprechen, diese ihre Plane fortan mit demgrößten Eifer zu verfolgen, auf den erledigten Thron zu-rückgerufen; aber sie vertraute ihm nur mit halbem Her-zen, und auf ein Schreiben des heiligen Vaters, welchesihm in's Gewissen sprach, trat er nach viermonatlicherRegierung gern wieder zum zweiten Male zurück.

Es lebte aber dazumalen noch ein entfernter Ver-wandter des königlichen Hauses aus der Stadt Brixia(Brescia), fromm, wie es den Anschein hatte, und gottes-sürchng, und geehrt vom Oberhaupte der Kirche, mitNamen Desiderius. Den hatte Aistulf zum Herzogeüber den longobardischen Theil der Landschaft Tuscien,des nachmaligen Großherzogthums Toscana, gesetzt. Wienun ein neuer König gewählt werden sollte, sprach Desi-derius zu seinem Weibe Ansa, mit der er gerade inseiner Vaterstadt auf Besuch war: »ich will gen Ticinum(Pavia) reisen, wo die Fürsten zusammenkommen, demVolke einen König zu setzen." Sein Weib aber lachte undsprach: »gehe hin, vielleicht daß sie dich zum Königewählen!" Er zog also von dannen und kam am erstenTage zu einem Orte mit Namen Lenum (Leno zwischenBrescia und Cremona). Allda legte er sich unter einenBaum, der Ruhe zu Pflegen. Wie er eingeschlafen war,so kam, wie die Sage meldet, eine Schlange und wandsich um sein Haupt, gleich einer Krone. Sein Diener,

Einfuhr, des Chnstcnthums. VI. g