Band 
Sechster Theil.
JPEG-Download
 

156

kaum hatte Gregor Ravenna verlassen, um an das Hof-lager des Longobardenkönigs zu reisen, als der Erzbischofden Gefangenen hinrichten ließ.

Desiderius aber besetzte zu derselbigen Zeit, da erdie Städte des Exarchates an sich riß, auch die Gebietevon Sinigaglia, Montefeltro, Urbino, Gubbio und andernrömischen Städten, wobei es viel Blutvergießen, Raubenund Brennen gab. Auch dem Gebiete der Stadt Romfügte er großen Schaden zu. Der heilige Vater ließ ihnzu wiederholten Malen brieflich und durch Gesandte be-schwören, vom Unrechte abzulassen und die neuentrissenenStädte herauszugeben. Aber nichts vermochte das eherneHerz und den eisernen Sinn des Langobarden zu er-weichen. Er fuhr in der Verwüstung der römischen Ge-biete fort und drohte sogar, mit seiner ganzen Streitmachtvor Rom selbst zu rücken. Da schickte der heilige Vaterin seiner äußersten Noth einen Gesandten über das ligu-rische Meer in's Frankenreich zu dem Schirmherrn derRömer, König Karl, und flehte ihn an, gleich seinemseligen Vater Pipin der heiligen Kirche beizustehen gegendie unersättliche Raubgier des Langobarden. Karl befandsich dazumalen zu Diedenhofen, einer Pfalz im Mosel-thale zwischen Metz und Trier. Der päpstliche Gesandtesetzte von Massilia (Marseille) aus den Weg zu Landedahin fort und kam eben noch recht, um einer Lügen-gesandtschaft des Königs der Langobarden den Rang ab-zulaufen. Desiderius hatte nämlich einen neuen Streichim Sinne und wollte sich für diesen den Rücken decken.Wie er sah, daß er den Papst auf keine Weise bewegenkonnte, zu ihm zu kommen, beschloß er zum Papstezu gehen und in Rom die Salbung der Söhne Karlmann'svon ihm zu erzwingen. Während nun seine Gesandten zu