169
die Versorgung der Armen, besonders der Wittwen undWaisen, deren Vorstand den Titel «Nomenclator« oder» Namenrufer« führte, weil er die Namen Derjenigen auf-zuzeichnen und abzulesen hatte, die zur päpstlichen Tafelgeladen wurden, welche dazumal noch an das Gleichnißunsers Herrn und Heilandes von dem Gastmahle erinnerte,zu dem die Blinden und Lahmen von den Zäunen herbei-geholt wurden. Ueberdies aber suchten sie, wie Pius IX.,nächtlicher Weile, aber nie zu bestimmten Stunden, dieLeidenden und Verlassenen in eigener Person aus, undspendeten ungesehen allenthalben Trost und Wohlthaten.Von Paul I., dem Heiligen, meldet dies die zeitge-nössische Geschichtschreibung ausdrücklich. Wie schön abersehen wir Hadrian I. an , dem feilen und feigen Ver-räther und Mörder Paulus Afiarta handeln! Abgesehenaber von diesem werkthätigen Christenthums nach außengaben diese würdigen Oberhirten auch innerhalb der vierWände ihres häuslichen Lebens allem Volke das schönsteBeispiel. Von Stephan IV. meldet die zeitgenössischeGeschichtschreibung ausdrücklich, seine gottseligen Vor-gänger, Zacharias, Stephan III. und Paul I.,und wer ihn immer gekannt, hätten ihn wegen seiner aus-nehmenden Tugend hochgeschätzt, und wir erinnern uns,daß bei seiner Wahl alles Volk, vom Höchsten bis zumNiedersten, »mit Einem Munde für diesen frommen Priesterstimmte und ihn unter großem Jubel nach dem Laterangeleitete.« Von Hadrian I. gilt dasselbe, für seineninnern Werth aber spricht noch insbesondere das schöneZeugniß, das in den Worten Einhard's liegt: »Beider Nachricht von Papst Hadrian's Tode, welcher hoch inKarl's Freundschaft stand, weinte der König nicht anders,als hätte er einen Sohn oder den theuersten Bruder ver-