Band 
Sechster Theil.
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in den Wissenschaften unterrichtet wurden, auf deren Er-lernung er auch selbst seinen Fleiß verwandte. Dannmußten die Söhne, sobald es nur das Alter erlaubte,nach der Sitte der Franken reiten, sich in den Waffenund auf der Jagd üben, die Töchter aber sich mit Spinn-rocken Md Spindel beschäftigen, damit sie sich nicht anMüßiggang gewöhnten, und dadurch der guten Zuchtentfremdet. Karl war aber dermaßen um seine Kinder be-sorgt, daß er zu Hause niemals ohne sie speiste, nie ohnesie eine Reise machte; seine Söhne ritten ihm dabei zurSeite, seine Töchter folgten ihm im hintersten Zuge, undeine Schaar von Leibwächtern war zu ihrem Schutze be-stellt. Da sie ungemein schön waren und aufs zärtlichstevon ihm geliebt wurden, so ist es sehr zu verwundern,daß er keine von ihnen einem seiner Großen oder einemFremden zum Weibe geben wollte, aber er sagte, er könneohne ihre Gesellschaft nicht leben, und behielt alle bis zuseinem Tode bei sich im Hause. Darob mußte er, sonstso glücklich, die Tücke des Schicksals erfahren; er gingjedoch so über die Sache hinweg, als hätte sich nie der ge-ringste Verdacht gegen sie erhoben, als wäre nie ein Gerüchtüber sie laut geworden."

Was unser Gewährsmann hier so zart andeutet, findetseine Erläuterung in jener unmuthigen Sage von demallbekannten Abenteuer mit einer angeblichen Tochter desKaisers, Jmma, dessen Held Einhard selbst ist. Die Sage ansich ist zwar bloße Dichtung, aber sie hat, wie die meistenSagen, einen geschichtlichen Kern. Karl's älteste Tochter, Ro-trud, die in der Sage Jmma heißt und nach dem nächtlichenAbenteuer von dem verzeihenden Vater mit ihrem BuhlenEinhard oder Eginhard vermählt wird, trat niemalsin die Ehe, gebar aber dennoch dem Grafen Rorich von