Mans einen Sohn mit Namen Ludwig, den nach-maligen Abt von St. Denys, welcher im Jahre 858in die Gefangenschaft der Normannen gerieth und imJahre 867 starb; und Karl's zweite Tochter Bertha ver-mählte sich heimlich mit dem gelehrten Zögling und FreundeKarl's und Alkuin's, Angilbert, und gebar ihm zweiSöhne Hartnid und Nidhard, von denen der Letztere,einer der treuesten Anhänger seines Vetters Karl desKahlen, eine ausgezeichnete Geschichte des kurzen, aberfolgenschweren Zeitraumes 841 — 843 geschrieben; aberdiese geheime Ehe wurde nachträglich von dem gnädigenKaiser öffentlich anerkannt.
Auch abgesehen von diesen Thatsachen fehlt es nichtan Zeugnissen für den allzu freien Ton, der am HofeKarl's des Großen herrschte. So lesen wir in dem mehr-erwähnten »Leben Adalhard's« von dessen Schwester Gun-trada, sie »habe, die Edelste unter den Edeln, mitten inden Wollustdüften des königlichen Palastes Wohl alleindie Palme der Keuschheit gerettet;« und das zeitgenössische»Leben Ludwig's des Frommen« von einem Unge-nannten sagt sogar unumwunden: »Schon lange hatteLudwig's Sinn, der doch von Natur so milde war, sichan dem Treiben geärgert, welches seine Schwestern imväterlichen Hause führten: der einzige Flecken, der diesemanklebte.«
Ludwig also, von der Gerechtigkeit der Geschichte derFromme genannt, Ludwig trat — das ersehen wireben aus diesem letztem Zeugnisse — in Betreff deshäuslichen Lebens wieder in die Fußtapfen des Groß-vaters, er beugte seinen Nacken nicht unter das Joch einerunersättlichen Wollust. »Um solchem Uebel abzuhelfen,«fährt der Ungenannte in seinem Zeugnisse fort, »schickte er
Einfuhr, des Christenthums. VI. 1?