Band 
Sechster Theil.
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rung seiner Heere, stellte ihn an die Spitze seiner Gesandt-schaften, kurz schulte ihn in Alles und Alles, was er ver-möge seines Berufes zu lernen hatte, durch Anschauungsowohl als Selbstübung ein, erzog ihn aber auf diesemWege nicht bloß zum Herrscher, sondern auch zum Allein-herrscher. Dazu hatte er ihn auch von Anfang an bestimmt.Das Reich sollte nach des Vaters Tode zwar zwischenbeiden Brüdern getheilt werden, und jeder seine eigeneHälfte erhalten und verwalten, aber der Erstgeborene dasGanze leiten, der Andere bloß besten Statthalter sein: einVerhältniß, wie es schon in der Haus- oder Sippenver-sassung der alten Deutschen lag und sich im römisch-deutschen Kaiserthum weiter ausbildete. Karl aber warschon von der Natur in so mancher Beziehung vor seinemjüngeren Bruder bevorzug! und seine ganze Erscheinungwar königlich, der jüngere Bruder verschwand dem Auge,wenn der ältere neben ihm stand. Und doch hatte Karl-mann auch wieder seine Vorzüge; aber von denjenigendes Bruders überstrahlt wurden sie auch dadurch rn derWirklichkeit verringert, und der Neid gewann zuletzt dieOberherrschaft über alle seine Seelenkräste. Das war esdenn Wohl auch hauptsächlich, was ihn um die Liebe desVolkes brachte und vor der Zeit in's Grab führte. Karldachte zu viel und zu groß, um die gereizte Stimmungdes Bruders sich anfechten zu lassen; aber eben dadurchbohrte er diesem ohne Wissen und Willen den Stachelseiner unseligen Leidenschaft nur noch tiefer in's Herz.

Die Verhältnisse in Italien gestalteten sich immerdrohender, der Hülferuf von Rom wurde immer drängen-der. Der Longobardenkönig Aistulf belagerte die heiligeStadt mit aller Macht, und ein Schreiben lies von PapstStephan HI., dem Nachfolger des mittlerweile (752)