296
weggeschleppt, dem Volke noch eine besondere Steuer aus-gelegt, und daran schon hundert Pfund Silber erpreßt,König Gottfrid aber sitze noch ruhig zu Hause. Diese Bor-schaft regte den Kaiser dermaßen auf, daß er nach allenSeiten hin Boten aussandte zur Aufbietung der streitbarenMannschaft, und unverzüglich selbst von seiner Pfalz auf-brach, um zunächst an die Küste zu eilen und die erforder-lichen Rüstungen zu einem Seezuge zu betreiben, dannaber nach dem Rheine umzuwenden und an der Mündungder Lippe die aufgebotene Landmacht zu erwarten. Sowienun diese beisammen war, rückte er in Eilmärschen andie Aller, schlug an der Stelle, wo sie in die Weser mün-det, ein Standlager und forderte die Dänen zur offenenFeldschlacht. Da trat eben der göttliche Weltordner da-zwischen. König Gottfrid wurde (810) von einem der Dei-nigen hinterrücks erschlagen, und über seiner Leiche erhobsich ein Erbfolgestreit; der befreite die abenländische Chri-stenheit auf längere Zeit von den Schrecken der nordischenHeidenwelt. Das große Wallthor an der Eider öffnete sichder christlichen Glaubcnspredigt, und der Weg, den dergroße Karl zur Einführung des Evangeliums in die scan-dinavische Germanenwelr angebahnt hatte, konnte weiterverfolgt werden. Wir selbst werden ihn später, im Leben desheiligen Anskar, und in der Gründung des ErzbisthumsHamburg noch eine Strecke weit zu verfolgen haben.
Karl der Große und Leo IH.
oder Der 25. Dezember 800.
Für den Augenblick wenden wir uns von dem Nordenwieder nach dem Süden zurück, zum kirchlichen Angel-punkte des neuen Weltreiches, zur ewigen Roma, demnunmehrigen Schauplatze der Versöhnung und Vermäh-