Band 
Schweitzersches Museum. 1783.
Entstehung
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Erster Brief.

»gestanden, mein Lieber! die Arbeit, welche wir umternehmen, ist weitgreiffend, aber nicht niühftm, undbelehrend nebcnbey — wenigstens für mich. So wieich im Lesen vorrücke, entwickeln sich meine Ideen; undso wie ich dieselben niederschreibe, schieben sie sich in bes-sere Ordnung.

Eingestanden ferner, daß Leßing oder andre manchenGegenstand unsrer Untersuchungen schon aus dem Schat-ten an das Licht mögen gezogen haben , und daß ich inihren Schriften alles , was ich aus mir selbst zu entspin-nen wünschte, bestimmter und gedrängter finden wür-de. — Allein davon nichts zu sagen, daß eignes Forschendie Begriffe fruchtbarer entwickelt, sondern nur ange-nehmen, ich finde kaum halb, was vor mir durch Lcs-sing ganz gefunden warb; fühlst du denn nicht, wie großmeine Freude seyn müßte, mit diesem Einzigen auch nurauf einem Seitenwege zusammenzutreffen? Finde ichhingegen etwas anders, was war's weiter? Wenn dieReihe nrich an dessen Schriften fuhrt, so werd ick jaaus ihren Schätzen meine Armuth bereichern, oder unterihrer Leitung meinen Jrthum berichtigen; und nebenherdie Lehre mitnehmen können—daß ich unserm Vorha-ben nicht gewachsen sey.

Also, ich fange mit Brerringers kritischer Dichtkunstan. Nur dir im Vertrauen ! Die Sprache des Mannsmißbehagt mir nicht selten. Bey allem Nachdruck, den ichan derselben nicht verkenne, fehlen ihr doch Ausründungund Wohlklang ; und immerhin mochten unsre Schwei-tzer sich befugt glauben, Gottscheds schalen, kraftlosenUngeschmack Form Rechtens zu brandmarken : In der