auf. Doch laß mich dar durch ein Beyspiel sagen (wennes gleich etwas rnhmiredlg von mir selbst gesprochenscheinen mag) was Ich für eine fromme und recht inbrün-stige Liebe „ zuerst geg>en dir, und dann auch gegen alleMänner , welche die Wissenschaften lieben, oder, wasbey mir gleich viel sag n will, gegen alle rechtschaffnegute Männer, trage. Die Zeit und Jahre her haben wirunter einem grausamen Kriege geseuszet , und der hatru,s zum allgemeinen Schaden Zwinglin und andrewackere Männer; mir insbesondre, einem damals unge-fehr fünfzehnjährigen Jünglinge, meinen Vater geraubt.Nun , obgleich dieser im Treffen umgekommen, und zuHause meine Prüder und Schwestern zum Theil durch diePest hingerafft, zum Theil in einem unmündigen Alterund arm mit einer verwittibten Mutter übergebliebensind ; so hat mich doch das alles nicht im mindestengerührt, ich habe auch keine einzige Thräne vergossen:Aber so bald ich hörte, Zwinglin sey uns entrissen, dawaren alle Vorschriften der Weltweisheit nicht im Stand,mein Gemüth zu beruhigen , daß ich nicht ganz in Thrä-nen zerfloß, ja gleichsam eine sich reichlich ergiessendeThranenquclle ward. Denn ich konnte, so jung ich war,doch wohl einsehen, daß wir denen, von welchen wirzu frommen Menschen gemacht werden , mehr schukdigseyn, als denen, die uns nur bloß zu Menschen gemachthaben. So gar hielt ichs für ein wahres Unglück, einMensch, und dabey nicht fromm und tugendhaft zuseyn. Als ich nachher zu etwas reifern Jahren gelang-te , war ich wenigstens darinn mit mir zufrieden, daßich Liebe zu den Rechtschaffnen bey mir empfand.
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