Band 
Schweitzersches Museum. 1789. Fünfter Jahrgang. [7-12. Heft.]
Entstehung
JPEG-Download
 

19 ?

Er ist bestattet! — Unter Thränen, Staunensgedanken yGesprächen, Geschwätzen — unter Seufzern der Seinen,und manches dankbaren und sonst auch reblichdenkendenLandmannes.

Da stuhnden wir, von weltlich, und geistlichem Stan»de, Militärs, Jung und Alt — alle gleich berufen dieWelt recht kennen «nd gebrauchen zu lernen, und unsüber ste zu erheben; den Geist über den Leib herrschen zulassen, und in die geistige Welt, wo daS höchste lebendige, liebende Gut, der Vater der Geister ist, emporzu-schauen.-Da stuhnden wir, roth und schwarz an-

gethan ; liessen uns zur Klage, zur Mitleidesbezeuqungdie Hand bieten, und giengen am Sarge und Grab indie Kirche hinein, zum Anhören der Danksagung für dieletzte dem gestorbenen weisen und guten Mann, und unsden Seinen, erwiesene Liebe und Ehre — und zum Gebete.

Wie beteten wir? Was nahmen wir uns bey dieser Bergräbnißseyer für abermalige Anempfehlung der Demuth,der unauffchieblichen Pflichterstattungen und Wohlthaten,und des Glaubens an Unsterblichkeit wie an Gott — wasdergleichen zogen wir uns zu Herzen?

— Ich werde zu ernsthaft! —

Nicht doch — nicht eben zu ernsthaft — das kann manam Sarg eines Menschenfreundes und Gottcsverehrerswohl nicht zu sehr werden. — Aber ich werde zu sehr Pre-diger; und es ward ja nur abgedankt, und ich schreibenur Andenkens- und Beruhigungszeilen.

Er hatte, so viel ich weiß, das Herz gehabt, eine reineNeigungsheirath zu schiiessen; und da er frey und fest ge,nug war, sich mit seiner Geliebten, vermittelst klugenHaushalts, bey Liebe, Kunst, Landruhe und Litteratur,unabhängig, mäßig beschäftigt und stets frohgeflnnt zu er-halten; so danke ich ihm das Beyspiel, das freylich kmn.