Zum Andenken eines, nur Wenigen bekann-ten, guten und weisen Mannes.
Ä^orgeu, am i6. Jenner 1790. wird er zu tOcinintgen, an dem Orte hiemit begraben, der die längste undwichtigste Zeit seines Lebens sein Wohnort war : Mir,als Vater der geliebten liebenswürdigen Sohnsfrau, diebey mir wohnhaft und itzt um ihn in tiefer Trauer ist,verschwägert; aber vorher schon mir als Denker, alsMann der einen eigenen Lebensplan früh angelegt hatteund auszuführen wußte, als ein. Vater wohlgezogener Kimder, als ein Lanbsasse, dessen Liebhaberey doch nicht dieLandökonomie geworden war, sondern der wie ein Horazund Virgil das Landleben vorzog, mit Kenntniß der altenLitteratur die fortgesetzte Beschauung der neuen verband— als solcher mir längst schon interessant.
Er war in meiner Jugend Gesellschafter oder auchFreund einiger meiner Jugendbekannten, einiger die nurein Paar Jahre vor meiner Studien-Bahn voraus waren;damals immer den Kreisen nahe, die auch mein eigenerkleiner Kreis bald hie bald dort berührte. Ich sah ihnmtt seiner sich auszeichnenden, fast ein Mitleid foderndenBrust, und Halsgcstalt; sah früh und hörte von seinenGemählden, die ihren eigenen Chacackter hatten, und eineschöne Stelle unter den Werken zürcherscher Mahler be-hauprcn werden; verlor ihn viel Jahre lang aus dem Ge-sichte, ward durch Tochlermann und Sohn wieder ihmnahe gebracht — sah ihn endlich als wohlwollendenSchwager, mit seiner würdigen zweyten Lebensgefährtin,an meinem Tische — seither nicht mehr, und werde ihnhienieden nicht mehr sehn. Die Erbe nimmt den Leib!