Band 
Schweitzersches Museum. 1785. Zweyter Jahrgang.
Entstehung
JPEG-Download
 

748 i ■mimi ii

Man sollte glauben , daß dee erwähnte Zeitpunkt diesekleine einsichtsvolle Nation auch hi rinn würde gescheutgemacht haben, sich bey Gcrathjahren einen Getraidevor-rath zu machen. Allein sie mißverstand wohl jene RegelChristi : Nicht für den künftigen Tag zu sorgen, der dochso bald wiederkehren kann ; und niemand konnte mir voneinichen Anstalten darzu sagen. Der älteste Mann (hießes) wisse sich nicht zu entsinnen, daß das Volk eine all-gemeine Auflage an die Obrigkeit Zu entrichten gehabthatte ; und da dieselbe weder Gefalle, noch Zolle, nochWe-igclder , Eheschatz u. s. f. zu beziehen habe, so seysie auch ausser Staude für dergleichen Angelegenheiten,die für eine so grosse Volksmenge (z. B. nur Vorrath fürein Jahr) sehr kostspielig seyn würden , zu sorgen.

Sie w rden itzt wundern , mein Freund ! wie einGtaat ohne einiche Einkünfte bestehen könne. Allein damuß man wissen, daß die obrigkeitlichen Personen indiesem Land sehr geringe Einkünfte haben, und die Aus-gaben des Staates überhaupt gar klein sind. Und umdiese zu bestreiken, sagte man mir , sey seit vielen Jah-ren ein Kapital vorhanden , dessen Zinse und die einge-hende Civilbussen dazu vollkommen hinreichend waren.Da hier Spielen, Tanzen, Schwören, Fluchen u. d. g.scharf verboten ist, so werfen die erwähnten Bussen keinGeringes ab. Aber Schade — und immer Schade mußich dennoch wiederholen , daß in einem solchen Lande,wo Geld im Ueberfluß ist, nicht bessere Anstalten in Anse-hung jener ersten Bedürfnisse des L bcns gemacht werden.

Denn zum Beweise daß im Appenzellcrlaiide es ge-wiß nicht am Gelde gebricht, muß ich Ihnen sagen, daßallda Hypotheken auf G ter , gleich einer Waare, ver-kauft werden. Der Schuldglaubiger darf die Bezahlungniemals fordern ; und der Schuldner darf niemals be-zahlen , es sey denn daß er beweisen könne, sonst nie-