Band 
Schweitzersches Museum. 1785. Zweyter Jahrgang.
Entstehung
JPEG-Download
 

TOO-2

der Tugend und der Religion ein mittelmäßiger Kopfist, bleibt die ganze Republick klein, ohnmächtig, ver-dorben , und stürzt bey der ersten Erschütterung ins abU Chaos. Wo aber die Bildner des Haupts der Nati-oh grosse Männer sind, entstehen grosse Tugenden undjene Wunder die nur kleine Seelen befremden, und über-all erscheinen wo der menschliche Geist frey wirkenkann , und nirgends grösser als in Rcpublicken. Reli-gion und Tugend haben unsern Staat gestiftet , undwenigen Edeln über grosse Heere den Sieg gegeben. Sieallein geben einer Nation wie dem Herzen jedes ein-zelen Bürgers übernatürliche Stärke; und in allen Jahr-hunderten haben sie den Sieg über Sclaven und Un-gläubige erhalten. Sie waren aber in der Zeit unsrerDater das Werk der Umstände ; bey uns, wo Umstän-de nur Weichlichkeit und Laster zeugen, können sie alleindas Werk der Aufklärung und guter Erziehungsanstaltenseyn. Nicht dadurch, daß wir grosse Nationen nachäf-fen , werden wir uns wieder emporheben; wohl aberdadurch daß wir jene alten Tugenden hervorrufen dieden Bernern die Herrschaft über hundertmal zahlreichereVölkerschaften gaben. Warum diese Tugenden von derNoth und von unglücklichen Zeiten, wo sie vielleicht zuspath erscheinen , erwarten? Noch einmal gesagt: Nurmächtige Erziehungsanstalten können unsre Sitten ret-ten, und die halb eingeschlummerten Helden zu ihren an-gebornen Tugenden aufwecken.

Noch eine Scheidewand bleibt zwischen der politischenund geistlichen Akademie wegzuräumen übrig. Diese ist,daß nach den alten Einrichtungen die Professoren iiiLatein anstatt Deutsch gelesen. Die Ursache, warum ehe-mals die lateinische Sprache vorgezogen worden, warzum Theil die Unwissenheit , in der Volkssprache (wiebey den Römern vor Cicero ,) über Wissenschaften zu