Band 
Schweitzersches Museum. 1785. Zweyter Jahrgang.
Entstehung
JPEG-Download
 

mit Verlangen, daß der Landmann sie nach Haus führe,und in die wärmere Grube werfe.

Wie du mein Aug betrogen! Gestern noch sah' ichmeine Waitzensprosse im hübschen Grün stolz ihr Hauptheben : Als ich heut' aus dem Fenster sah, lag sie gebücktzur Erde; ich hielt meinen Acker für eine befchneyte Wiese.

Munter noch und spielend hüpfte der ländliche Kna-be gestern im warmen Sonnenschein : Heute biegt er seinrothes Kinn zur warmer» Brust, und feine Hand sucht,untern Wammes versteckt, das Feuer des jugendlichschlagenden Busens. Er eilt zu seinem brennenden Heer-de, ihm lacht nicht mehr die Wiese, ihn freut nicht mehtdie Hütung seiner fetten Kälber.

Hörst du, wie der Ochse im Stall' brummt, undüber dich klagt, daß du seine Waide ihm genommen -sein wohlschmeckendes Gras ihm verdorben , ihn seinesFreyheit beraubt und zur Einsperrunz. verurtheilet hast.Zornig und wild schüttelt er das ihm vorgelegte Heu mitseinen schön gekrümmten Hörnern , und wirft es weithinter sich, weil's ihm nicht schmecken will.

Harter , unfreundlicher Frost ! Ich selbst bitt böse aufdich I So viel noch wollt' ich in meinen Feldern, Gartcniund Wiesen arbeiten ; zu streng ist dein Befehl, der Ar-beit mir da verbietet. Oder soll ich schon mit meinenKnechten in s Holz gehen , und da die Buchen fallen?Ein trauriges Geschäft, das keine Abwechselung erlaubt.

Soll sich mein Mädchen schon zum Spinnrad setzen,und meine Ohren voll schnurren ?

Soll ich nicht mehr den einfältig daher hüpfendenHaasen auf dem Krentzwege schiessen, sondern jtzt schonhinter der Hecke den listigen Fuchs belauschen?

Kann ich nicht mehr am kleinen Hügel mich an derSonne laben? Soll ich schon Reiser inr Holz zusam-mensuchen , und bey ihrem Feuer mein« Weinflasche