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Zur Geschichte Wallensteins / durch Friedrich von Hurter
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Viertes Capitel.

Wallenstein sammelt eine Armee.

Wie die Ueberlragung der böhmischen Krone an den Chur-fürsten von der Pfalz der Rebellion in diesem Lande den Cha-rakter der Stätigkeit aufdrücken wollte, kannte dieselbe bei ebenerfolgter Kaiserwahl nicht mehr als Conflict des habsburgischenRegenten mit einem Erblande betrachtet werden, sonvern mußtesie als Reichsangelegenheit gelten. War es doch das Reichs-glied, nunmehr durch einhellige Wahl Reichsoberhaupt gewor-den, welches in seinen angestammten und bei der Krönung zuPrag von den eigenen Unterthanen feierlich anerkannten Rech-ten der schnödesten Verletzung bloßgestellt worden war. Hättedie Kirchentrennung nicht zugleich das Reich in unheilbarenRiß gespalten, wären nicht durch dieselbe dessen Stände in dasverderbliche Bestreben verwickelt worden, das auf Uebung vonRechten gegründete Ansehen ihres Hauptes immer mehr zuverkümmern, so hätte über die Frage, welches bei solcher offe-nen Empörung Pflicht der Rcichsglicder seye auch nicht einenAugenblick Zweifel obwalten können. Nach allem dem aber,was seit dem schmalkaldischen Bündniß in ununterbrochenerReihenfolge vor sich gegangen war, mußten bezüglich der Stel-lung des Kaisers zu den Reichsständen der Zweifel und derWiderspruch die Oberhand behalten; dieß vornehmlich bei den-