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Zur Geschichte Wallensteins / durch Friedrich von Hurter
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Wollenst«» und Ti'lly.

stein geworben seyen, gaben sie wenigstens vor. Sein ganzesHeer trug das Gepräge eilfertiger Ausrüstung. Die Reitereiwar mit schlechten Pferden versehen, vielen Knechten mangel-ten die Waffen; es hieß, das Heer führe ein einziges Stückschweren Geschützes mit sich. Zudem hatten die Gemeinenkeinen Sold, die Obersten und Hauptlcute keine Werbgelvererhalten; zu Entschädigung durch Erpressung hatte es nochkeine Gelegenheit gegeben. Unkatholische Offiziere, die in Hoff-nung auf Beute Dienste genommen, äußerten laut: ständen sienur erst in der Nähe der Dänen, sie. würden nicht säumen,zu diesen überzugehen 2).

Als Wallenstein im September in der Gegend von Göt-tingen erschien, stand der kriegserfahrene Tilly mit seinem sieges-freudigen und für alle Mühseligkeiten angestrengter Feldzüge ab-gehärteten Heere dem überlegenen des Königs von Dänemarkbeinahe in den frühern Stellungen gegenüber, eben zu Auf-hebung der Belagerung von Nienbnrg genöthigt. Hätte Wal-lenstein im Hinblick auf den Vortheil der Kriegsherren mit demim Waffenwerk ergrauten Führer des Bundesheeres, welchererst den schönsten Theil der Erblande gerettet, sodann für Auf-rechthaltung des kaiserlichen Ansehens im Reich durch fünfJahre unablässig mit solchem Erfolg gekämpft, sich vereinigenwollen, so hätte Dänemarks Krieg schwerlich noch durch wei-tere drei Jahre sich durchziehen können. Wohl näherten sichbeide Heere, aber eine Vereinigung derselben kam doch nichtzu Stande. Dem Bundesfeldherrn schlug Wallenstein die ver-langte Kriegshülfe unter dem Verwand ab, Mansfeld habe dieAbsicht, durch Brandenburg gegen Sachsen, Schlesien oderBöhmen zu ziehen; diesen müsse er mit ungeschwächter Heeres-macht im Auge behalten.

2) Von der Decken I, 155.