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Zur Geschichte Wallensteins / durch Friedrich von Hurter
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Wallenstein und der König von Schweden. 343

übten Blick des Piloten" schon damals das (gegen ihn) auf-steigende Unwetter aus der Ferne erschaut; hätte er wirklichgeahnet, daß bei einem bevorstehenden Fürstenconvent seinernichts Gutes wartet), wie konnte er das in seiner Nähebereits ausgebrochene Unwetter so völlig unbeachtet lassen, umnicht einzusehen, daß festes Auftreten gegen das vom Nordendrohende zugleich der unfehlbare Ableiter von jenem seyn werde?

Erkläre dieses, wer da mag; vereinige es mit dem Ruf,unter welchem Wallensteinö Name in die Geschichtsbücher nochimmer eingetragen wird, wer es im Stande ist! Unsere Mei-nung ist, zu Würdigung bedeutender Männer seye nicht bloßin Anschlag zu bringen, was sie verrichtet, sondern auch das,was sie in den wichtigsten Momenten versäumt haben; nichtallein das, was sie gethan, auch das, was sie hätten thunsollen, aber, aus welchen Gründen immer, unterlassen haben,seye in die Wagschale zu legen. Ein solcher Zeitpunkt ist fürWallenstein mit dem Beginn des Jahres 1630 eingetreten.

Eine Erklärung indeß des Unbegreiflichen wäre gegebenin der Mittheilung eines Zeitgenossen, welcher sagt: Wallen-stein seye zuletzt mit dem König von Schweden in geheimesEinvcrständniß getreten und habe deßwegen die Inseln undKüsten durch ungenügende Besatzungen verwahrt, dem Herein-brechenden Preis gegeben, sich selbst, ferne von dem Meere,nach Schwaben an den Saum der Alpen gezogen ^). Wirfällen über diese Angabe kein Urtheil; unberührt jedoch durftesie nicht bleiben.

Zu Memmingen wollte Wallenstein dem durchreisendenDompropst von Metternich für den Churfürsten von Mainzaufbinden, er stehe im Begriff, sein Heer nach Ungarn zu

^2) Förster Wallenstein S- 140.

n) Der lateinische I'vr3ueIIiom8 Nsrs, bei Murr S. 155.