Buch 
Zur Geschichte Wallensteins / durch Friedrich von Hurter
Entstehung
JPEG-Download
 

342

Wallenstein und der König von Schweden.

als doppelt so große Anzahl müßig und zerstreut durch dMganze Reich, hinauf bis in die entlegensten Gebietstheile Schwa-bens, und verfügte in den Tagen sich mehrender Gefahr, waser während der Zeit, da eine solche nicht obschwebte, allenVorstellungen und allem Flehen verweigert hatte: er erleichtertePommern und Brandenburg der drückendsten Last ihrer Ein-quartierung. Er selbst, statt als sorgsamer Hüter der Reichs-grenze sich zu bewähren, brachte den Winter fern von dersel-ben in Halberstadt zu. Bald dann wich er von den Ge-genden, die er gegen den hereinbrechenden Feind Schritt fürSchritt in Person hätte vertheidigen sollen, noch weiter zu-rück auf seine Güter in Böhmen 2S). Im Frühjahr begaber sich nach Karlsbad, die Angelegenheiten in Norddeutschlandunbedingt seinem zurückgelassenen General und dessen unzu-länglicher Mannschaft überlassend. Als sodann die Gefahrnoch näher rückte, zog er mit allem Gepränge, womit er sichzu umgeben pflegte 30),ach der schwäbischen Stadt Mem-mingen ^t). Während dann Gustav Adolph in raschem Vor-dringen eine Stadt um die andere einnahm und durch leichterzielte Bündnisse mit den mißmuthig gemachten Reichsfürsteusich verstärkte, lag der kaiserliche Oberst-Feldhauptmann undAdmiral des baltischen und oceanischen Heeres, auch Herzogdes zunächst bedrohten Mecklenburgs, in thatloser Ruhe in einemStädtchen au der schwäbischen Jller. Was würden die Zeit-genossen, was würde die Nachwelt über den Helden Radetzkyurtheilen, wenn derselbe das Frühjahr des Jahres 1848 irgendwomüßig in einem Städtchen außerhalb der Monarchie hätte zu-bringen wollen? Hat aber Wallenstein wirklichmit dem ge-

W) Eines Podagra-Anfalls wegen, schreibt er den 17. Jan. 1630, habeer sich in einer Sänfte nach Gitschin müssen bringen lasse».

2") Wie schon in frühern Capiteln erwähnt.

Den 28. Mai war er in Ulm: Murr Beiträge S. 35.