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Zur Geschichte Wallensteins / durch Friedrich von Hurter
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346 Wallensteiu in kirchlicher Beziehung und Charakterzkge.

Neben dem, was mehr die innere als die nach außen ge-kehrte Seite der anerbornen Neigungen berührt, ist jedoch bisdahin Eines unberührt geblieben: Wallensteins kirchliche undreligiöse Beziehungen, oder wenn man lieber will Be-thätigungen. Zwar mag die moderne Forschung und die ihrzur Seite laufende Historiographie vielfältig um so unbefangenerund gediegener sich wähnen, einen so viel erhabener» Stand-punkt einzunehmen vermeinen, je gleichgültiger sie gegen dashöchste Verhältniß, welches den Menschen erfassen soll dasreligiöse und kirchliche sich stelle, einer Würdigung dersel-ben kaum den geringsten Werth oder einen solchen bloß nochin derjenigen Verkümmerung beimesse, in welcher sie das Ge-präge ihres Vorzuges erkennen zu sollen wähnt. Aber geradedieses Verhältniß darf der katholischen Geschichtschreibung amwenigsten gleichgültig bleiben, obgleich es ihr eben deßhalb,weil sie als solche sich ankündigt, nicht schwer fallen kann,zum Voraus die Urtheile derjenigen zu formuliren, die so gerneals untrügliche und einzig berechtigte Tonangeber bei den Zeit-genossen sich möchten geltend machen. Wir halten dafür, esseye heilige Pflicht des Geschichtschreibers, der seine katholischeUeberzeugung weder verheimlichen darf noch will, daß dieseimmer mehr jener falschen Geschämigkeit sich entringe, welcherentweder die Gunst des Fremdlings höher steht als die Pflichtgegen die Geistesverwandten, oder die in Zaghaftigkeit Zweifelan der vollen Berechtigung zu dem durchblicken läßt, was un-ter allem Uebrigen in den Vordergrund treten muß. Nicht fer-ner sollte dem von dem schalsten Humanismus ansgcborencnSatz: an dem Geschichtschreiber dürfe weder Religion noch

llistoria I?er<l>nainli II, 4 Vol., User. der kais. Hofbibliothek; ein mitvielem Fleiß zusammengetragenes und in vorzüglichem Latein verfaßtes Werk.in welchem jedvch keine neuen Aufschlüsse zu suchen sind.