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Zur Geschichte Wallensteins / durch Friedrich von Hurter
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348 Wollenste!» in kirchlicher Beziehung und Charakterzüge.

Auffassung und freudigen Hingebung an die Lehre der Kirchenicht vereinbar. Hierin nicht in derjenigen Weise gefestigt, wiees von dem Lehrer der Jugend zu aller Zeit sollte gefordertwerden, mag es Argoli leicht geworden seyn, den ursprüng-lich unkatholisch erzogenen Wallenstein in dieser Beziehung fürdie eigene Geistesrichtung zu gewinnen. Protestanten bezeugenin ihrer Weise von dem St. Marcus-Rittcr^) zu Padu:er habeheimlich alles Pfaffengeschwätze verlacht 6)", die Klostergeistlichenfür überflüssig gehalten. Wie er es mit dem Glauben, indemer geboren worden, genommen, wird am unfehlbarsten darinerkannt, daß er an seinem spätern Aufenthaltsorte, Glogau,wo er im Jahre 1651 in hohem Alter?) starb, denjenigen,die von demselben abgefallen waren, eine Kirche bauen ließ.Diese Gesinnungen des Meisters scheinen auf den SchülerÜbergängen zu seyn 8).

Natürlich ist der Stoff, aus welchem ein Bild von Wal-lenstein bezüglich seiner kirchlichen Gesinnungen sich entwerfenließe, nur sparsam vorhanden, immer jedoch hinreichend, umdie Vermuthung zu begründen, daß er, gleich so manchen durchGlück begünstigten und zu einer hohen Stufe des Ansehens unddes Eingreifens in die allgemeinen Verhältnisse erhobenen Män-nern, dem Glauben des Volkes und den kirchlichen Einrichtun-gen bloß den Werth eines ausgiebigen Mittels zu Erreichunguntergeordneter und beschränkter Zwecke zugestanden habe. Esist von solchen, die als Zeitgenossen denselben hinreichend durch-

6) Hiezn wurde Argoli durch den Senat von Venedig erhoben,e) Murr S. 306.

?) Dieses erhellet daraus, daß sein Bruder Paul Franz schon im Jahr1591, 21 Jahre alt, als Franziskaner starb.

8) Die Anschauung des vorigen Jahrhunderts spricht aus Murr'sWorten S. 353:Wallenstein war zu klug, als daß er den Papst für mehrals für einen Bischof von Rom gehalten hätte.