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Zur Geschichte Wallensteins / durch Friedrich von Hurter
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Wallenstein in kirchlicher Beziehung und Charakterzüge. 349

schauten, gesagt worden, weniger aus innerer Anregung alsaus kluger Berechnung seyen WallenfteinS Bergabungen an dieKirche hervorgegangen §) lag ihm daran, vor dem kaiserlichenBeichtvater als eifrig für die Sache des katholischen Glaubens zuerscheinen, so kann dieses nur als Beweis gelten, daß er keineBahn ungewürdigt ließ, welche schnellere Erreichung seines Zielesin Aussicht stellte. Dabei konnte ihm die Gunst, in welcher dieGesellschaft Jesu bei seinem Kaiser stand, so wenig verborgenbleiben, als das bedeutsame Mitwirken derselben durch Ernstund Eifer für alles Kirchliche zu Herstellung der tief erschüttertenbürgerlichen Ordnung. Führte Wallenstein die Gesellschaft aufseine Besitzungen ein, gründete er Seminarien für sie, übergaber ihr Kirchen, begünstigte und förderte er ihre Bestrebungen,so liegt hierin noch kein Beweis einer wahren Würdigung,einer wirklichen Zuneigung. Im Gegentheil ist von ihm be-zeugt worden, er habe dieselbe gehaßt, Schmachreden ge-gen sie geführt "). Die Aeußerung an Taris:könnte ichmit hunderttausend Gulden der Fundation, so ich ihnen gethanhabe, ledig werden, ich thäte es gerne ")", dient wenigstensjenem Zeugniß zur Unterstützung. Dasselbe wird bekräftigt durchden Artikel des Friedensvorschlages, welchen er dem in den säch-sischen Dienst übergetretenen General Arnim eröffnete:AlleJesuiten sollten, als die wahren Friedensstörer, aus dem Reichausgewiesen werden 12).

In nicht größerer Gunst standen die übrigen Geistlichen

9) In einer der beiden, im übten Capitel dieser Schrift mitgetheiltenDenkschriften.

10) Los oüil sl vsriis eonviliis sklieit; imo ex ipsis esstris pellit,sagt das mehrmals erwähnte Votum des Geheime» Rathes.

") Förster Wallenstein S. 351.

") Khevenhiller XII, 579.

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