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Zur Geschichte Wallensteins / durch Friedrich von Hurter
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Der Convnit z» Negensburg. - Wakenstems Entlassung.

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verschiedener Weise beantwortete, ein jeder Theil es versuchte,vor dem Regenten die seinige geltend zu machen. Die Gründe,welche die katholischen Churfürsten, an die alle übrigen Reichs-stände mit ihrer langen Reihe der bittersten Klagen sich an-schlössen, zur Unterstützung ihres Gesuches vorbrachten, sind aus-führlich dargelegt worden.Ein solcher bewährter, tapferer,sachverdienter Feldherr, erwiederten dessen zahlreiche Freunde,sollte unter seinem Siegeslauf abgedankt werden? Wo bliebenGerechtigkeit, Vernunft, Gewissen, Staatswohl! Wer vermöchtees, gleich ihm, ein Heer von hunderttausend Mann ohne desKaisers und seiner Erblande Kosten auf die Beine zu bringenund zu erhalten? Fällt zwar dieses den Ständen des Reichshart, so kann daneben doch der Bauer bei seinem Pflug, derHandelsmann bei seinem Geschäft, der Fürst bei seinem Landebleiben. So lange Wallenstein die Waffen geführt, hat esSiege geregnet, hat sich das Kriegsvolk willfährig und in guterZucht bewährt, ist das kaiserliche Ansehen über alles erhobenworden. Wem könnten I. M. Ihre Throne sicherer anver-trauen als ihm, der jederzeit so treu sich erwiesen, zu IhremDienst das Seinige willfährig verwendet; der bereits solcheBelohnungen 'empfangen hat, daß er auf neue Gnaden keineAnsprüche mehr machen, wohl aber ferner für seinen KaiserLeib, Ehre, Gut und Blut einsetzen wird? Wo möchte einFürst, sonderlich vom Hause Oesterreich, sich finden, der Gutesmit Bösem, Ehre mit Schmach, Verdienst mit Beleidigung ver-gelten wollte? Eine solche Behandlung könnte den Herzog,ohnedem von Natur zornmüthig, zur Verzweiflung, zur Rachetreiben, ihn dahin bringen, mit dem Kriegsvolk, welches aufden Wink seiner Augen mehr als auf alle Befehle achtet, eineStellung einzunehmen, bei welcher die Reue zu spät einträte.Die Klagen der Churfürsten sind eigentlich gegen den Kaisergerichtet; weil sie aber dieses nicht wagen, wenden sie sich gegen