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Katholische Unterweisungen nach der Weise einer Christenlehre, in welchen, was immer zu der Religionsgeschichte, und den Lehren, Sitten, Sacramenten, Gebethen, Gebräuchen, und Uebungen der Kirche gehöret, insgesammt in einem kurzen Begriffe aus den heiligen Gründen der göttlichen Schrift und Uebergabe deutlich gezeiget wird / aus der französischen Sprache in die lateinische gebracht ... von dem Verfasser und auch Uebersetzer Franciscus Amatus Pouget ... ; aus der lateinischen Sprache in die deutsche übersetzet, und ... vermehrt von einem Priester aus dem Orden des heiligen Benedictus
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3 Theil. 2 Abtheilung.

herrlicher und vortreflicher ist als jede Verrichtungen der En-gel ? Ich darf auch fürwahr mir da nicht einbilden, daß,wenn ich die Sache auch noch so stark erhebe, ich zuviel re-de ; denn was ich immer von der Heiligkeit, welche b.y denPriestern zu einer solchen Verrichtung erfoderec wird , sagenwerde, ist doch allzeit weniger, als es seyn solle. Es müssensich also die Priester erinnern , daß sie die Stelle jenes höch-sten Priesters vertreten , von welchem der Apostel saget: Esgebührele sich , daß wir einen solchen hocken Priester hät-ten , einen heiligen, unschuldigen, unbefleckten, dervon den Sündern abgesondert, und über die Himmel er-hoben ist. (Br. an die Hebr. 7 , 26.) Heilig ist Gott, wel-chem sie opfern: heilig der Priester, anstatt dessen sie dasOpfer verrichten: heilig die Kirche, in deren Namen sieopfern : geheiliget solle das Volk werden, für welches sie dasOpfer bringen: mithin sollen auch jene heilig seyn, die mirdiesem Opfer sich beschäftigen.

Allein weil dieses Amt, so vortreflich es auch immer ist,auf der Erde nicht anders als von Menschen, und zwar vonsterblichen, folglich auch von sündhaften Menschen kann ver-richtet werden: so ist gewiß, daß die Priester nicht eine solch«

' Heiligkeit haben müssen , daß sie auch sogar von jeder läßli-chen Sünde rein seyn , sonst börste Niemand das priesterlirche Amt verrichten. Doch müssen selbe, um das Meßopferrecht zu verrichten, wenigst nicht nur keine schwere Sünde aufsich haben, sondern auch von aller Zuii.igulig zu einer läßli-chen Sünde, von den Begierlichkeuen der Welt, dem Hocl -muthe, der Hoffart, und unordentlichen Liebe ihrer selbstfrey seyn. Sie müssen mit ganzem Herzen Christo allein an-hangen , im Geiste leben, im Geiste wandeln , nicht nacheitler Ehre streben, nicht einander herausfodern, weder ein-ander neidig seyn. (Br. an die Galat. 5,25,11. w.) Siemüssen alles Zeitliche gering schähen, und nur nach dem Himm-lischen trachten. Sie müssen, wenn selbe die Messe lesenwollen, sich durch Christum und mit Christo also Gottopfern, daß sie allzeit das Leben für Christum und die Kircheherzugeben, und also sich selbst Gott zu einem heiligen uns