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z Theil. 2 Abtheilung.
Neunte- Kapitel.
Von den Bittgängen , welche m«n processioirenheißt.
Erster Absah.
Von dem Ursprünge und den unterschiedlichen Gattun-gen d-r Bittgänge, welche die Absicht der Rieche,und das Zel bey den unterschiedlichenBittgängen sey.
F'-Aielt die Kirche in den alten Zeiten Bittgänge, die manProceffionen heißt?
A. Sobald nach den schärfesten Verfolgungen die Kircheim vierten Jahrhunderte den Frieden erhalten hat, habennothwendig Kirchenumgänge gehalten werden müssen, vonwelchen man auch im alten Testamente einige Spuren an-trifft.
Sooft immer in der Wüste nach dem Durchzuge dmchdas rothe Meer das israelitische Volk von einem Orte in einanderes zog, eben sooft hielten die Priester und Leviten, wel-che die Bundeslade und alle zum Dienste des Tabernackelsnothwendige Geschirre trugen, einen feyerlichen Zug, wel-cher fürwahr eine Gattung eines Kirchenumganges war, in-dem sie unter dem Fortzuge Psalme und Lobgesänge absan-gen. Wann die Bundeslade aufgehoben wurde, und manfortzuziehen anfieng , stimmeten die Sänger den sieben undsechzigsten Psalm an: Es solle Gort aufstehen, und seineFeinde zerstreuet werden rc: welches auch ißt der Anfang istbey allen Kirchenbittgängen.
Die Neberbringung der Bundeslade aus der Stadt Ca-riathiarim in das Haus des Obededom, und von diesemnach Hebron, welche Geschichte man im zweyten Buche desSamuels * liest, ist eine wahre Procession gewesen. (A)__Es
(^) 6, 2 är ssqg. Zocrskes I.. z Hik. Lco l. c. i8-_
* Dieses ist das zweyte Buch der Könige, wie man es viel ge-bräuchlicher beißt.