Band 
Erster Band
JPEG-Download
 

49

Chinesen und des Confucius gibt uns Gelegenheit, einen Scheide-blick auf die patriarchalische Welt zu werfen, welche wir nunmehrverlassen, auf jene orientalischen Staatsgesellschaften, welche imRaume, nicht aber in der Zeit eristiren, und sie mit den unseligenzu vergleichen, die mit Zurückweisung des Prinzips der Nothwen-digkeit sich von der bestehenden allgemeinen Einheit lossagen, umauf der Spur des freien und mechanischen Fortschritts hinzueilen, inwelchen dann auch das Recht sich von der Religion und dem Staatelostrennt, um individuell und wirksam zu werden. — Man wunderesich nicht, wenn der Orient noch sporadisch vorherrscht, da noch dieungeheure Mehrzahl der Völker in asiatischen Formen befangenwaren. Die europäische Civilisation beschränkte sich auf Griechen-land und Italien, und selbst diese hatten von Asien die Sclaverei,die Dienstbarkeit-des Weibes, die Neligionsformen, mitunter auchden Lurus und den Despotismus beibehalten. Indessen gingen siezwar langsamen, doch sichern Schrittes einer Hähern Stellung ent-gegen. Zuerst schuf die Eroberung Sklaven und Herren, alsdannbildeten das Interesse und Unterhandlungen die Plebs ohne bürger-liche, politische und religiöse Existenz, die ihr nur unter der Gut-heißung des Patriziers, dessen Recht der Gewalt kauin die Zügelungdes staatlichen Prunkes verträgt, zu Theil werden kann. Die ple-bejische Stadt erhebt sich jedoch zur Seite der Aristokratie des Ro-mulus, genöthigt, sich strenge an den Buchstaben des Gesetzes zuhalten, während diese starre Gesetzmäßigkeit von der Beredtsamkeitbekämpft, von den Privilegien umgangen, von den rituellen Fiktionenbetrogen wird; bis endlich auf die Stimme der Gracchen hin diePlebs das Recht, zu besitzen und zu stimmen, beansprucht und, wennauch unter Niederlagen, unfehlbar zum Siege gelangt.

Die beiden Charaktere der morgenländischen und abendländischenWelt, des Patriziats und des Volkslhums, welche sich in Rom ver-schmelzen, drücken ihm den Stempel eines aus zwei ganz verschieden-artigen Hälften bestehenden Doppelwesens, des erhaltenden und er-neuernden, auf. Rom nimmt alle Fortschrittsideen an, jedoch stetserst nach lebhaftem Widerstände; es wächst und nimmt zugleich auStärke zu; es verändert seine Regierungsform, jedoch ohne derenalte Grundlagen zu verrücken, welche zum selben Zwecke der mensch-lichen Gesellschaft gedient hatten; und wie Rom einst die Stadt bil-dete aus der Verschmelzung der Patrizier und Plebejer, so bildet esjetzt das Kaiserthum, indem es die verschiedenen Völker, die es erstzu Unterthanen und nach dem sozialen Kriege zu Römern machte,

Cantu, WMgeschjchtk. I. ^