Band 
Erster Band
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liche und politische Freiheit, die Gleichheit vor dem Gesetze, welcheletztere jedoch nur für das herrschende Geschlecht galt. Fortan lehrtdie Einheit Gottes die Einheit des Menschengeschlechts. Nicht alleinden Werken, sondern auch dem befreiten Gedanken wird die Unschuldauferlegte Bisheran war das einzige Mittel, zu Macht und zu Ruhmzu gelangen, der Krieg, der einzige Zweck der Hohen Sieg und Er-oberung; die Sklaverei war als eine nothwendige, gerechte, natür-liche Sache anerkannt, und der Sklave, nicht bloß materiellem Elende,sondern auch geistiger und moralischer Verkommenheit überlassen,lebte ohne Religion, ohne Liebe, ohne anerkannte Nachkommenschaft.Aber das neue Wort liebenden Erbarmens lüftet seine Ketten, wennes ihm auch nicht gelingt, sie zu brechen; Friede wird allen Men-schen verkündet; die Vorrechte der Geburt und des Siegers ver-schwinden; nicht bloß vor Blutvergießen, vor Krieg überhaupt wirdAbscheu eingeflößt. In solcher Weise erscheint das Musterbild einerGesellschaft, welche auf der Verbindung der friedlichen Formen einerrein geistigen Macht beruht, als Gegensatz wider die Uebergriffe dermateriellen Macht, und welche eine Verbrüderung der sich nun nichtmehr gegenseitig aufreibenden, sondern Behufs gegenseitiger Vervoll-kommnung sich nähernden Nationen bezweckt.

Und wer bewirkt dieses Wunder? Ein Handwerker aus Gali-läa. Seine Lehre war auch eine der aus Asien gekommenen, wollteaber Europa nicht unterwerfen, sondern bekehren, mit der politischendie religiöse Wahrheit verbinden, die Menschheit zu ihrer ursprüng-lichen Würde, unter Einen Gott, zurückführen, da sie den Götzen-bildern das Gewissen, den Tyrannen die Ergebung entgegensetzte.Neben der Macht des Schwertes erhebt sich die Macht des Gedan-kens, welche, unabhängig von jener, in allen der materiellen Gewaltauferlegten Geschicken dieser als Stütze zur Seite bleibt durch stetigeVertretung und Förderung des Fortschritts: so tritt ein neues Ele-ment in die geschichtliche Darstellung ein, die Kirchengcschichte. DieKirche, welche das Volk vertritt und zur Befreiung alle Unglück-lichen, alle durch Krieg und Gewalt Leidenden zuläßt, vernichtetzwar nicht mit Einem Schlage die Sklaverei, die legale Gewalt-thätigkeit, die glorreichen Raubzüge, stellt ihnen jedoch eine Lehreentgegen, die sie verwirft, und einen Gott, der sie verdammt.

Bald stehen Nero und Domitian dem Petrus und demZgnatius gegenüber; die Erstern, die bewaffneten Herren der Welt,haben auf ihrer Seite die von der Gerechtigkeit so verschiedene Le-galität und sind die Repräsentanten der alten Welt, welche in den