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welcher die Ethnographie die schätzbarsten Forschungen verdankt, stelltauf, die Sprachen seien alle Dialekte einer verloren gegangenenSprache und daß sie allein hinreichen zur Widerlegung derjenigen,welche an einen mehrfachen Ursprung der Menschheit glauben:Rousseau selbst sah sich genöthigt, die Sprache für eine „Gabe derGottheit" zu halten.
Wäre die Sprache eine Erfindung der Menschen, so würde jedesPaar, wenigstens jede Familie, sich eine eigene gebildet haben undzwischen diesen verschiedenen Sprachen, wie zwischen den sonstigenWerken menschlicher Laune eine Beziehung stattfinden. In derWirklichkeit ist es aber ganz anders; und da die Sprache eine derGrundlagen der Geschichte der Menschheit ist, die Verschiedenheitder Idiome in wesentlichster Beziehung zur Geschichte der Racensteht, ist es wohl vonnöthen, etwas länger bei diesem Punkte zuverweilen.
Wir beschäftigen uns nicht mit Losung der Frage, welche dieälteste Sprache gewesen sei; bereits im Alterthum beschäftigte selbe,zu deren Lösung uns alle Bedingungen fehlen, die Eitelkeit derVölker. Vielleicht ist sie untergegangen; vielleicht hörte sie damalsauf, als Gott dem Thurmbaue von Babel wehrte, woran die Nach-kommen Noe's als Ein Volk, die nämliche Sprache redend *),bauten und ihre Zungen verwirrten, so daß sie sich einander nichtmehr verstanden. Zu jener Epoche beginnt die Geschichte der Spra-chen, deren Verschiedenheit als eine Pyramide mit drei Stockwerkengedacht werden kann. In das erste gehören die Sprachen mit ein-sylbigen Wurzeln und ursprünglichen Wörtern; sie haben keine Gram-matik, oder etwa nur einige rohe Elemente von sehr einfacher undunvollkommener Methode; sie sind unbedingt die verbreitetsten. Unterihnen herrscht das Chinesische vor, welches sich, so weit es nur seine Naturerlaubte, entwickelt hat, und doch ist es noch abgebrochenen Ausrufungenvon Kindern ähnlich, energisch, aber ohne Verbindung, obgleich styli-stische Kunst und Wachsthum der Wissenschaft es aus solchem Zu-stande der Kindheit zu einer konventionellen Gestaltung erhoben
Der zweite Ast trägt drei verschiedene Zweige: indo-persisch,griechisch - lateinisch, gothisch - germanisch, mit mehrsilbigen Wurzeln;
*) Siehe, es ist Ein Volk und Eine Sprache unter allen. Gen. XI, 6.Die Sprache der Taubstummen, welche die einfachen Zeichen der Be-griffe ausdrückt, ohne daß sie in ihrer natürlichen Ordnung verbundenwären, mag einen Begriff von dieser Sprache geben.