Band 
Erster Band
JPEG-Download
 

260

ausrufen, männiglich habe das Knie vor ihm zu beugen und anzu-erkennen, daß er seye gesetzt, über ganz Egypten zu befehlen.

Joseph bewerkstelligte eine der wichtigsten Umgestaltungen,denn er benutzte die Hungersnoth dazu, dem Pharao den ganzenBodenbesitz zu verschaffen, indem er aus den bisherigen freien Ei-genthümern bloße Pächter machte. Ohne Groll zu hegen wegenihrer an ihm verübten Unthat, rief Joseph die unter der Hungers-noth leidenden Stämme seiner Brüder herbei und wies ihnen Wohn-sitze in den weiten Gefilden von Jeffe an, wo sie ihr Hirtenlebenfortsetzten und sich über alle Maßen vermehrten. Nach dem Todedes Joseph vergaßen aber die Egypter der Wohlthaten, die sieihm verdankten, und betrachteten diese Fremden mit Mißgunst. DieEinfachheit ihrer patriarchalischen Sitten bildete einen zu grellenGegensatz zu den Landessitten; die Verachtung, welche sie für jedenGott außer dem ihren bewiesen, verletzte die Egypter in ihremAberglauben; man befürchtete, sie möchten bei ihrer großen Ver-mehrung zahlreicher und mächtiger werden als die Eingebornen;endlich war jenes Wandervolk mitten innen zwischen civilisirtenStädten diesen ein Dorn im Auge. Die Hebräer, welche dessenwohl inne wurden, hätten gerne mit ihren Heerden Egypten ver-lassen, allein das gestattete der Pharaone nicht, da sie ein Fünfteldes ihm vom Lande bezahlten Tribut's trugen. Er versuchte aber,sie zu nöthigen, ihr Wanderleben aufzugeben und in Städten zuwohnen, und da sie sich dagegen, als ihrer Natur zuwider, sträubten,legte er ihnen, um sie zu bedrücken und wo möglich auszurotten,ungeheure Bauwerke auf, ja befahl endlich den Hebammen, allemännlichen Neugebornen zu tödten. Diese aber fürchteten Gottmehr als den König, gehorchten diesem nicht, und Gott segnete siedafür.

MoseS, 1725.

Jede Unterdrückung naht jedoch ihrem Ende, wenn sie zu hartund übermäßig wird. Moses, den Gott zum höchsten Ruhme,nämlich der Befreier und Gesetzgeber seines Volkes zu sein, bestimmthatte, ward als Kind am Nil ausgesetzt, von der zum Baden anden Fluß gekommenen Königstochter gefunden und am Hofe in alleregyptischer Wissenschaft erzogen. Deßhalb vergaß er doch seinesUrsprungs nicht, und als er zu seinen Brüdern zurückkehrte, schmerzteihn bitter ihre Mißhandlung Seitens der Egypter. Mehreremaleergriff er ihre Vertheidigung, weßhalb er endlich fliehen mußte und