Band 
Erster Band
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Zu allgemeinem Wohlwollen und Wohlthun, zu friedlichem Ge-werb, zur leichten Nachahmung in den Künsten werden die Zndier vonKindheit auf erzogen. Bei keinem andern Volke haben die Glaubens-lehren einen so tiefgreifenden Einfluß. Ihre staunenswerthen Denk-mäler, ihre Sprache, ihre Sitten, alles bis auf das Kleinste hinabentstand unter dem Einflüsse der Religion; der Jndier ist damit sobeschäftigt, daß er an nichts anderes Lenkt, nicht einmal an die Ver-besserung seiner eigenen Lage. Inmitten dieser beständigen Feier-lichkeiten, dieser Ceremonien, welche sich auf die geringsten Arbeitenerstrecken, dieser Gottheiten, denen er auf Schritt und Tritt begegnet,mit den sich daran anknüpfenden Fabeln, geweihten Orten und from-men Werken ist seine Phantasie dermaßen in beständiger Spannung,baß nichts Neues ihn mehr aufzuregen vermag; mag daher auchder europäische Herr ihn mit Arbeit überladen, er hegt keinen Grollund fügt sich mit milder und unerschütterlicher Geduld. Mäßigkeit,Reinlichkeit, Keuschheit sind bei ihnen derart eingebürgert durch seineEinrichtungen, daß er nur Verachtung fühlt vor den Abendländern,welche er stets mit irgend etwas beschäftiget sieht, die sogar die un-schuldigen Thiere todten, welche ihre blutbefleckten Hände lecken, diemit der Zubereitung ihrer Mahlzeiten die Hälfte des Tages ver-bringen. Mag aber auch das Leben ruhig verfließen zwischen denunübersteiglichen Schranken der Kasten, so ist es doch immer vontödtlicher Einförmigkeit; kann auch die Fortsetzung der nämlichenKünste und Handwerke in denselben Familien eine mechanische Ver-vollkommnung zur Folge haben, so darf man doch hievon keine wich-tigen Erfindungen oder neue Anwendungen erwarten, im Gegentheilschließt dieses System den trostreichen Gedanken eines trotz allerHindernisse im Laufe der Zeit herbeigeführten nationalen Fortschrittsgänzlich aus. In einem in sich so abgeschlossenen Systeme bleibt derFreiheit des Einzelnen nur ein sehr geringer Spielraum, denn jedeStunde des Tages ist durch Pflichten, Waschungen, Bußübungenbezeichnet. Selbst der Hauch des Mundes und jeder Tritt desFußes stehen unter dem Gesetze, da ja beide ein Thier todten könn-ten. Keiner entzieht sich diesen Gesetzen, wenn ihn nicht eine beson-dere Inspiration in die Wüste treibt, um daselbst Bußübungen obzu-liegen, welche den Menschen vernichten.

Je weiter wir gegen Osten hinaufsteigen, desto größer findenwir die Herrschaft der Autorität über die Freiheit, welche umgekehrtin unserm Abendland vorherrscht. Die Jndier sind ein von religiöserFurcht erfülltes Volk; ihr Gesetz ist der Wille nicht des Volkes,

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