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Erster Band
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Empfindungen, meiner Vernunft, Alles nur eine und die nämlicheSubstanz? Und dieses Wesen, von welchem alles herrührt, wo istes? Welches ist es? Wie kann ich es erkennen, mich ihm nähern?Und ich, woher komme, wohin gehe ich? Habe ich den Trieb, mei-nen Wünschen nachzuleben, oder mir die Schranke eines Pflichtgcsetzesaufzuerlegen? Wird mir dieses Gesetz durch eine äußere Autorität,mein Gefühl oder die Ordnung der Dinge auferlegt? Warum be-steht das Böse in der Welt? Wenn Gott gut ist, warum schuf eres? Ist er aber böse, wieso ist er dann Gott? Verursachen viel-leicht zwei im Kampfe mit einander begriffene Prinzipien daS Böseund das Gute? Oder hat wohl Gott Alles gut erschaffen, undspäter erst trat eine Verderbniß ein, so daß das scheinbar Böse nureine Sühnung, eine Vorbereitung auf bessere Tage wäre?

Solche Fragen bieten sich dem vernünftigen Menschen dar, so-bald der Glaube in ihm nicht mehr Kraft genug hat, um alle Ueber-zeugungen in sich aufzunehmen, daher sucht er sie sodann mit Hülfeseiner Vernunft zu rechtfertigen. Eben auf die Erklärung der erstenUrsachen, der höchsten Gesetze der Natur und der Freiheit und ihrergegenseitigen Beziehungen sind alle philosophischen Systeme gerichtet;unter dem vielgestaltigen Einflüsse der Religionen, der Sitten undStaatsverfassungen wie des persönlichen Charakters des bald zwei-felnden, bald behauptenden, bald läugnenden Philosophen stehend,schmiedeten sie jene lange Kette von Irrthümern und Wahrheiten,welche, um sich daran anzuknüpfen, einer ersten Wahrheit, einerWahrheit als Vorläuferin und Beherrscherin jeder Untersuchung,jeder Vergleichung und menschlichen Wissenschaft bedarf.

Jedes System hat dreierlei Endziele: die Welt, die Vernunft,Gott. Wenn die Vernunft sich nicht selbst unterscheidet und sich mitden Sinnen und mit Gott verwechselt, so ist dies der Sensualismusoder der Mysticismus. Wenn sie sich selbst unterscheidet, ohne dieübrigen Dinge zu kennen, so ist dies der Idealismus. Wer nichtallein Gott und die Vernunft, sondern auch sich selbst läugnet, istSceptiker. Es sind dies keine leeren Fragen, indem ein jedes Sy-stem dem Leben ein anderes höchstes Ziel setzt. Der Sensualismusgestaltet das Leben materiell, der Idealismus überläßt es der Herr-schaft des Gedankens, der Mystizismus führt es der BetrachtungGottes zu, der Skeptizismus der Unthätigkcit, so daß die PraktikMaßstab und Leiterin aller Systeme wird.

Die indische Philosophie besteht aus sechs Systemen, welche im-mer zu zweien gehen, so daß, wo das eine endet, das andere in