Band 
Erster Band
JPEG-Download
 

380

Form der Entwicklung und Fortsetzung, auch Umbildung sich an-knüpft; man kann sagen, die träumerische Einbildungskraft derJndier habe auf drei verschiedenen Wegen die Lösung der großenRäthsel versucht: die Natur, der Gedanke und die innerlichste Thatdes Geistes, die Offenbarung, seien dieser Wege Ausgangspunkte.

Philosophie Sankya.

Die erste ist die Philosophie Sankya oder der Zahlen, alsderen Urheber Kapila, ein Zeitgenosse des Enoch gilt; fielstdie Philosophie der Urwelt, des Ursprünglichen, weil die vier undzwanzig Prinzipien aller Dinge in der Ordnung aufgezählt sind,indem sie zuerst die Natur und nach dieser erst die allgemeine Ver-nunft setzt. „Was nicht besteht, kann durch keinerlei Wirkung irgendeiner Ursache Existenz erhalten." Dieses Ariom führt sie nicht zumAtheismus, sondern zum Dualismus, in der Voraussetzung nämlich,daß zwei Prinzipien, die Natur und der unendliche Geist, von Ewig-keit an neben einander eristiren. Wahrscheinlich verstand man unterdiesen beiden Anfangs nur Geist und Seele (lNim-uscoiluma oderprnkriti), in deren Vereinigung Alles besteht; aus diesem primi-tiven Spiritualismus hat die Verderbniß und die Vermischung mitder Sternkunde eine poetische Vielgötterei gemacht. In der Thatsehen wir auch in ihrem vierten Theile die Sankya's Lehre zumMystizismus gelangen. Der Erfinder dieses Systems, Joga genannt,ist Pa taug fall; Aoga heißt: vollständige Verschmelzung unseresWesens und unserer Gedanken mit Gott, welche Verschmelzung dieSeele von der Metempsychvse, auf welches Ziel die indische Philo-

*) Man vcrgl. VVarä, View uk tke Iil^taov, titerature anä mvtlxiInL'v»e tl>e Genauer ist Eolebrooks Versuch über die Philo-

sophie der Jndier. Der Autor besaß 140 Werke über die PhilosophieVedanta, 100 über die Niaya ic. Man verdankt ihm die beste Samm-lung der philosophischen Lehren der Jndier, seine Angaben sind jedochnoch unvollständig, auch fehlte ihm die geistige Gewandtheit zur Ent-wicklung der philosophischen Principien und zur Herausstellung deswahren spekulativen Geistes der alten Systeme, ihrer verborgenen Ten-denz, ihres Wesens und ihrer Originalität.

Oousin, Oours äe I'Iüstvire cko la plnlosoplns. — 6li. d-asse»,K^mnosupUIsta, sive 3näiav ptiUosopInuo äooumenta. (kann, 1832).Hux. Wiiickisekmann, I)e 'Ulieoloxumcnis veckanticoimm. süonn.1833). Fr. Schlegel, Geschichte der Literatur und Philosophie derJndier.