Band 
Erster Band
JPEG-Download
 

438

schrieben sie deren Geschichte nicht und wenden sich vorzugsweise denZeiten zu, in welchen das Wirkliche sich stets mit dem Phantastischenvermengt. Die Behauptung indeß, die Jndier hätten keine Ge-schichte, beruht wohl eigentlich auf unserer Unwissenheit, und billigerwäre zuzugestehen, daß wir diese Geschichte noch nicht kennen. Wiebei allen dem Stamme sehr anhänglichen Völkern werden auch beiden Zndiern die Geschlechtsregister sehr sorgfältig geführt, und selbsteine Fürstentvchter wird keinen Gatten finden, wenn sie nicht ihreAbstammung von einer regierenden Familie nachzuweisen vermag.Freilich machen das überwuchernd Phantastische, die riesenhafte Auf-fassung der Zeit, die Menschwerdungen der Götter, die poetischeForm eö sehr schwierig, die Wahrheit in den geschichtlichen Dar-stellungen herauszufinden und sie in Epochen einzutheilen: in-dessen wurden doch schon welche veröffentlicht, welche einem sehrfernen Alterthum angehören. Dazu gehören die von Ed. Uphan(Lond. 1833) herausgegebenen drei ceplanischen Chroniken Maha-vansi, Ragjavali, Nagjavatnakari, welche sich mit den Schicksalen derKönige von Ceylon und des Buddhaismus beschäftigen.

Man hat mehrere Auszüge aus dem Ragja Tarangini, unterAkbar ins Persische übersetzt, veranstaltet, das Original jedoch sicherst vor Kurzem verschaffen können. Er begreift vier verschiedene,wahrscheinlich von Zeitgenossen geschriebene Werke; das erste ist derKalana-Pandit, das zweite ist noch nicht nach Europa gelangt, dasdritte beginnt zu Zcin-el-ab -Eddin und endigt 1477, das viertehandelt von den Ereignissen, welche unter Akbar stattfanden.

Aus diesen und andern muselmännischen Schriften konnte maneine Geschichte Kaschemirs zusammenstellen, welche uns berichtet,daß die Monarchie daselbst von einer durch Kasp dahin geführtenBrahminenkolonie eingeführt und in Folge dessen der Teufelsdienstdurch den Kult der Vedas verdrängt ward. 52 oder 55 Fürstenherrschten daselbst, welche vergessen sind, weil sie die Vedas nicht be-folgten; in dieser Periode war es, daß daselbst die in den indischenLegenden so berühmt gewordene Familie der Pandos entstand. Derin der Geschichte dieser ersten Könige hervortretende Zug ist der Kampfzwischen dem Götzendienst, dem Brahmismus und dem Buddhais-mus, welch letzterer den Sieg davontrug *). Eine von A. Troyerin Paris (1840) übersetzte und kommentirte Geschichte der Könige

*) S. die Geschichte von Kaschemir in dem XV. Bande der Xsistio ld«-

scareltes.