Band 
Vierter Band.
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der Politik, von dem drohenden Ueberhandnehmen der allgemeinenUnzufriedenheit oder auch von der Verachtung der Menschheit, dieihn antrieb, sich der Menschen als Spielzeug zu bedienen, erzeugtwurden. Im Leben eines Fürsten sind übrigens seine Handlungennickt einzeln, sondern in ihrem Zusammenhange zu untersuchen undzunächst zu sehen, bis zu welchem Grade er auf das Geschick seinesVolkes und der ganzen Menschheit Einfluß geübt hat. Tiberius abervollendete den Umsturz der Schranken, welche August dem Despo-tismus gegenüber noch mochte haben stehen lassen. Er gewöhnte Se-nat und Volk, sich den widersinnigsten Launen des Herrn gehorsamzu beugen. Er rottete die Gefühle aus, welche die Würde des Men-schen und Bürgers ausmachen, führte das öffentliche Gewisse irre,welches allein, selbst bei Ermangelung jeder andern Stütze, die Staatenhält und belebt. Durch Hinmordung der besten Bürger, durch Ent-ehrung derjenigen, die er leben ließ, indem er es dahin brachte, daßSenat und Volk die Niedrigkeit und Furcht so weit trieben, denjeni-gen, der ihnen Schmach und Tod bereitete, anzubeten, zeigte er, daßeine sittliche Kraft nicht mehr vorhanden war, und die materielleGewalt alles vermochte.

Drittes Kapitel.Caligula. — Claudius.

Tiberius hinterließ zwei Erben: Tiberius Nero Gemel-lus, sein Enkel durch seinen Sohn Drusus, und Casus Cäsar,Sohn von Germaniens. Die tiefe Trauer von Volk und Heerob dem Tode des Germaniens hatte sich in innige Liebe zu seinemSohne verwandelt. Die Soldaten spielten mit ihm und gaben ihmnach der militärischen Fußbekleidung (esIiKu), die sie scherzend ihmanlegten, den Beinamen Caligula.

Caligula.

Diese Zuneigung wäre genügend gewesen, ihm Tiber's tät-lichen Haß zuzuziehen, allein der Jüngling wußte den ihm gelegtenFallstricken so geschickt zu entgehen und seinen Argwohn mit so tieferVerstellung einzuschläfern, daß der Redner Passienu s in Wahrheit