Band 
Vierter Band.
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sagen konnte: Niemals erblickte man weder einen besseren Sklavennoch einen schlechteren Herrn. Hierauf verdankte Calignla demWeibe Macro's, welches ihm dieser in einer entfernten Hoffnungabtrat, bei Tiber wieder vollends in Gnade zu kommen, so daß ihndieser letztwillig zum Erben des Reichs erklärte.

Keineswegs aber war dem durchdringenden Auge des alten Kai-sers die eigentliche Natur dieses Jünglings entgegen und er äußerteüber ihn: „Du wirst alle Laster Sulla's ohne irgend eine seinerTugenden besitzen" und „Es ist eine Schlange, welche ich zum Ver-derben der Menschheit aufziehe." Als er ihn einst mit dem jungenTiberius sich streiten sah, rief er unter Thränen aus: „Du wirstihn todten, aber ein Anderer dich." Nicht aus den Sternen, sondernaus der Kenntniß der Menschen und der Zeiten schöpfte er solcheKunde der Zukunft.

Das Volk indeß, seiner Gewohnheit gemäß, erwartete alles mög-liche Gute von dem jungen Kaiser und die Anfänge seiner Regierungschienen auch diese Hoffnungen zu bestätigen. In Rom angekommen,hält er unter Thränen eine kurze Lobrede auf seinen Vorgänger, ver-kündet auch seine Absicht, dem Volke die Wahl der Magistrate zurück-zugeben; da er jedoch dasselbe der Ausübung eines so wichtigen Rech-tes noch nicht für fähig hält, so behält er sich die Erfüllung diesesVersprechens vor. Er hebt die Verfolgungen wegen Hochverrathsauf, läßt die angefangenen Prozesse verbrennen, und erlaubt die vonTiberius verbotene Lesung und Verbreitung der Bücher von TitusLabienus, Cremutius Cordus und Cassius Severus.Einer will ihm eine Verschwörung verrathen, er aber will nichtsdavon hören, denn, sagt er, ich habe nichts gethan, um mich ver-haßt zu machen. Und rührend vor allem ist seine Pietät für dasAndenken seiner Mutter und Vrüder, deren Ueberreste er aus der Ver-bannung in August's Grabmal versetzt.

Aber dieser epileptische Knabe, der arme Waise, den die Sol-daten hätschelten und der unter den Blicken des Oheims zitterte,fühlte sich nicht sobald Herr der Welt — einer unbeschränktenHerrschaft, deren ihn freilich ein Dolchstoß berauben konnte, als erplötzlich sein eigentliches Wesen herauskehrte. Im 8. Monat seinerRegierung ergriff ihn eine heftigeKrankheit, während deren er 160,000Opfer den Göttern darbringen ließ, damit sie des Vaterlandes schützen-den Stern und seine Hoffnung erhielten, worauf die unnatürlichstenGrausamkeiten abwechselnd mit Narrheiten seine folgenden Regie-

«kantu, Weltgeschichte. IV. H