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Verfaßtes vortragen hörte, wunderte sich, daß er, der so schlecht re-dete, so gut schreibe. Auf den Rath von Livius hatte er eine Ge-schichte der Bürgerkriege zu schreiben begonnen, war jedoch von seinerMutter und seinem Großvater veranlaßt worden, diese Arbeit abzu-brechen. Er liebte die Klassiker und vertheidigte Cicero gegen Asi-nius Gallus. Er war ein genauer Kenner der griechischen Spracheund führte drei neue Buchstaben ins römische Alphabet ein *). Inder Geschichte der italischen Urvölker bewanderter als Livius selbst,schrieb er die Geschichte der Etrusker und die Erhaltung seines Bu-ches hätte den Neueren viele gewagte Hypothesen erspart. Kurz,Claudius hätte auf die Nachwelt als ein harmloser Gelehrterübergehen können, aber seine Gelehrsamkeit verschaffte ihm keine Ach-tung, sondern machte vielmehr, daß man ihm nur den Umgang mitWeibern, Freigelassenen, Possenreißern, dem Abschaum der Palastesgestattete, was er sich gefallen lassen mußte, weil er nicht reich war.Augustuö hatte ihm nur 890,000 Sestertien hinterlassen und Ti-berius, von dem er Ehrenstellen verlangte, schenkt ihm 40 Gold-stücke, um sich bei den Saturnalien zu vergnügen. Als CaligulaKaiser ward, erkaufte Claudius aus Furcht die Würde einesPriesters seines Gott-Neffen für 8 Mill. Sestertien, und da er dieseSumme nicht bezahlen konnte, wurden seine Güter versteigert.
Durch das Glück und den Willen Roms, das durchaus einenKaiser haben wollte, auf den Thron gehoben, verfuhr ClaudiusAnfangs mit Bescheidenheit gegen die Senatoren. Er wollte nicht
*) Hieven reden Tacitns und Quiutilian. Zwei dieser Buchstabensind bekannt; es waren das ävlische Digamma und das Anti-Sigma;jenes war ein umgekehrtes f, dem » entsprechend, wie in Lermina^it,ampliagitguo, üigi ^.uAusti. Das Anti-Sigma ersetzte das griechischeV oder xs und ward geschrieben. Nach Einigen war der dritte Buch-stabe der Diphthong ai, den man in den meisten Inschriften aus derZeit des Claudius findet, wie eintoniai, v>Mi, jedoch ward derselbeschon geraume Zeit vor Claudius gebraucht. Das ^ der Griechen hat,wie Quintilian bemerkt, einen von, plr der Lateiner verschiedenenTon, wonach man auch die Behauptung aufstellte, Claudius habeeinen dem P entsprechenden Buchstaben erfunden. Noch ehe er Kaiserwar, schrieb Claudius über den Gebrauch dieser Buchstaben; nachdemer Kaiser geworden, führte er sie durch ein Gesetz ein. Kaum aber warer todt, als sie wieder außer Gebrauch kamen, wenn sie auch noch zurZeit von Tacitns und Suetonins auf den ehernen Tafeln, die zurVeröffentlichung der Seuatsdekrcte gebraucht wurden, figmirten. (8uet.e. 4. l'-rt. XI. 14.)