Band 
Vierter Band.
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während im Geheimen Claudius lebhaft zuredet, einen abschläg-lichen Bescheid zu ertheilen. In der That erklärt dieser auch, daßer nur der Gewalt weiche und Blutvergießen verabscheue; wolle je-doch der Senat den Bürgerkrieg, so möge er wenigstens aus Rück-sicht auf die Tempel und andern Gebäude ein Schlachtfeld außer-halb der Stadt wählen.

Die Senatoren dachten einen Augenblick daran, die Sklaven zubewaffnen, wodurch sie sich zweifelsohne ein zahlreiches und furcht-bares Heer geschaffen hätten, aber wie hätten diese durch Aechtungendccimirten, durch Beschlagnahme verarmten, durch ihre feigen Schmei-cheleien entehrten Patrizier einen hochherzigen Entschluß zu fassenvermocht? Das Volk indeß verlangte laut einen Kaiser und riefClaudius als solchen aus. Soldaten, Gladiatoren und Matrosenthaten dasselbe. Vergebens erinnerte Chärea an die Majestät desSenats, die geistige Unbedeutendheit des Claudius, die Vortheileeiner republikanischen Regierung: Niemand wollte frei sein, ausge-nommen diejenigen, die im Namen der Freiheit regiert hätten. Clau-dius ward daher als Kaiser anerkannt und verkündete eine allge-meine Amnestie; nur allein Chärea mußte den Manen Caligu-la's zum Opfer fallen. Als er hingerichtet werden sollte, fand erdas Schwert des Scharfrichters nicht scharf genug und verlangte mitdemjenigen, womit er den Tyrannen getödtet, gerichtet zu werden;hierauf starb er als Republikaner. Das Volk bewunderte ihn, batihn um Verzeihung wegen seiner Undankbarkeit, brachte ihm Ma-rionen — sodann wandte es sich Claudius zu, um ihm zu schmei-cheln, ihn anzubeten.

Dieser war von der Familie Julia stets gehänselt worden undweil sie ihn beständig als Schwachkopf behandelte, war er es auchgeworden oder wenigstens so weit gekommen, daß er sich selbst füreinen solchen hielt. Ihm war keine einzige der Ehrenstellen oderPriesterwürdcn zu Theil geworden, welche die Mitglieder der kaiser-lichen Familie, kaum Jünglinge schon, zu schmücken pflegten. EinenStallmeister hatte man ihm zum Lehrer gegeben und seine Mutterpflegte zu sagen, um einen Dummen zu bezeichnen: Er ist so dummwie mein Sohn Claudius. Augustus, in seiner Liebe für seineEnkel, nannte ihn bemitleidend den „armen Menschen", die andernMitglieder der Familie jedoch trieben rücksichtslos Scherz und Spottmit ihm.

Und doch war Claudius keineswegs unwissend, er beschäftigtesich sogar mit den Studien und Augustus, der ihn etwas von ihm