Band 
Fünfter Band.
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sten erheben und deren Verfasser auch in der Lage waren/ dieEreignisse und ihre verborgenen Ursachen in der Nähe zu beob--achten, betrachten die Dinge stets von Seiten ihres Glaubens,ihres Vaterlandes, ihrer Partei, ohne sich auf eine Prüfung desEntgegenstehenden einzulassen. So erblickten die Päpste in denMongolen Dschengiskhau'S lediglich Feinde des Islams undals solche hielten sie sie für Christen. Vergleicht man in Betreffder Züge nach dem heiligen Lande die naiven Chroniken der Eu-ropäer mit den deklamatorischen Berichten der Byzantiner und denpomphaften Erzählungen der Asiaten: so wird man fast irre ander Thatsache, daß es sich um die nämlichen Ereignisse handelt;kaum erscheinen die Kaiser aus dem schwäbischen Hause dieselbenin den deutschen und lombardischen Chroniken. Karl v. Luxem-burg, der böhmische Held, ist der Italiener Spielzeug. Da übri-gens alle sozialen Elemente damals so verzettelt waren, daß esuns selbst jetzt schwer fällt, sie in eine harmonische Ausgleichungzu bringen, so steht es uns kaum zu, darob erstaunt zu sein, daßdieser Aufgabe Schriftsteller nicht gewachsen waren, denen jegli-ches Mittel abging, sich die Kenntniß der in fremden Ländernsich begebenden Ereignisse zu verschaffen und die unmöglich, selbstbei zugestandener Genialität, die Bedeutung zu ahnen vermochten,welche die in der Bildung begriffenen Dynastien einst erlangenwürden.

Ueberdem beschränken sich Alle darauf, die Geschichte des sie-genden Volks, oft auch nur seines Monarchen, zu geben, was sienicht, wie die Klassiker, in Ausdrücken thun, über deren Sinnman allseits einig war, sondern in unbestimmten, sich jeglichemSinn elastisch anschmiegenden Worten, die ihnen einen klaren unddeutlichen Begriff ergeben haben mögen, für uns jedoch ihre Be-deutung verloren haben.

Und selbst diese Stütze versagt zuweilen. Vom Falle des rö-mischen Reichs an bis auf Karl den Großen besitzt das Abend-land außer Gregor v. Tours*) keinen andern Geschichtschrei-ber. Ein Schatz von Nachrichten ist in den Archiven begraben,wo er von einer zwecklosen Eifersucht bewahrt wird. Nur in we-nigen Ländern gelangte ein Theil davon zur Veröffentlichung, wasdem ohnmächtigen Wunsche, den ungleich bedeutender« Nest kennen

') Und noch dazu ist das unter diesem Namen gehende Werk eher ein-uiRoman als einer ernsten geschichtlichen Darstellung ähnlich. D- B.