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zu lerne«/ lediglich neue Nahrung gab. Was gehört ferner füreine hartnäckige Geduld dazu / die Langeweile nicht zu scheue»/einen oft in Auffassung und Darstellung gleich nichtsnutzigen Wustdurchzulesen/ um davon keinen andern Nutzen zu habe«/ als diezufällige Auffindung einer Notiz/ die Berichtigung eines Datumsoder eines Namens? Und habt-ihr das Alles bewältigt/ wasbleibt da noch für eine Kraft der Phantafie/ eine Kritik aufzu-bieten/ um das nicht Gesagte zu errathe«/ in diese verschiedenenKulturzustände fich lebhaft zu versetzen/ das Alles gehörig zu wür-dige»/ in dem Gesammelten daS Körnchen Wahrheit von derSpreu auszuscheiden?
Thut man dies aber nicht/ wie mag man fich da in diese Fin-sterniß hineinwagen/ wie soll man da auffinden die Spuren desDaseins einer besiegten/ namenlosen Nation/ schmachtend unterdem Drucke der stärker« / deren Thaten / Tödtungen und Tyran-neien weihrauchstreuend besungen werden? Welche Kunst lehrtuns zwei Völker von einander abzuscheiden/ welche stets und überallals Feinde auf demselben Boden leben; wie sollen wir erkennen/bis zu welchem Grade sie sich vermischten; wie die Einrichtungen/Gewohnheiten/ Ansichten des einen auf diejenigen des anderneinwirkten; wie weit der Uebermuth der Herren und die Geduldder Unterthanen ging?
Gerade auf dieser Kenntniß beruht indessen das Verständnißder neuern Zeit/ weil die Einrichtungen/ welche heutzutage dieeuropäischen Nationen zu Freien oder Sklave»/ zu Glücklichenoder Unglückliche»/ stark in der Einheit oder zu Boden getretenin ihren Spaltungen mache«/ unmittelbar zusammenhängen mitdenjenigen deö Mittelalters. Da haben wir zu suchen die Gründeunserer gegenwärtigen Gestaltung/ den Ursprung unserer Rechte/die Hindernisse deö FortschrittS/ die Mittel/ selbe zu besiegen/ dieKunst/ die von der Geschichte eingeschärften sozialen Lehren nutz-bar anzuwenden.
Ist aber daö Mittelalter nicht gehörig gewürdigt worden/ somuß man dies weniger der Armuth der Quellen als den Irr-rhümern der Schule/ der geselligen Verhältnisse/ der Gelehrtenund Systemmacher zuschreiben. Eine Literatur/ die nur die Aus-schmückung der Intelligenz im Auge hatte/ glaubte Alles gethanzu haben/ wenn sie die Schriftsteller und Sitten Griechenlandsund Roms kennen lehrte; sie kümmerte sich nur um Cieerv/nicht um den h. Angustin und den h. Chrysostomus/ um Ca-