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hat. Statt des überlegenden Egoismus lebte in den Menscheneine allgemeine Großherzigkeit/ und so legten sie in Einigkeit dieGrundsteine von Kathedrale»/ welche ihre Nachkommen vielleichtniemals vollenden. Von der Nächstenliebe angetrieben/ zögerte derRitter nicht/ sein Leben daran zu setze»/ um die Unschuld oderEhre ihm gänzlich fremder Menschen zu beschützen; ganz Europastürzte sich auf Asien hin/ nicht auf Befehl irgend eines Königs,sondern aus freier Regung sein Herzblut darbietend zur Rettungganzer Geschlechter. In solche Zeiten sich einzuleben ist unmög-lich, ohne die Gewohnheiten unserer in Büchern, Metallen, Zah-len, Präparaten und Leichnamen vergrabenen Zeit gänzlich abzu-thun. Der Anhänger der modernen Institutionen, welche jederBewegung ihre Richtung einprägen, und nach einem einzigenZwecke die Kräfte Aller hinleiten, wird niemals Zustände verstehen,welche Sonderkräften und Bestrebungen Einzelner alles überließen.Fürsten wollen sich auS Feudalherren zu unabhängigen Monarchenerheben, reiche und mächtige Barone suchen die sie umgebendenkleinen Ritter sich dienstbar zu machen; Communen streben nachFreiheiten, Handelsleute suchen für ihren Verkehr neue Wege undQuellen, Ritter ziehen auf Abentheuer aus, Priester streben nachhöher» hierarchischen Stufen, Theologen zwingen den Aristote-les, ein Zeugniß für die Lehre Christi abzulegen, Missionäre end-lich bringen den Barbaren den Glauben und die Kultur. Inden Tournieren kämpft man mit Waffen, mit Sophismen in denSchulen. Der Mönch hält an der Pforte des BaronenschlosseS,um gegen Luxus und Sittenverderbniß seine Stimme zu erheben,und erndtet dafür seinen Lohn da mit Almosen, dort mit demStocke; auch der muntere Troubadour findet sich daselbst ein mit derwallenden Pfauenfeder auf purpurnem Barett, singt den Schönenund Tapfern Gesänge des Scherzes und Preises und empfängt vonden Edelherren reiche Geschenke, von den Edclfrauen der Liebe Lohn.
Die wenigen Kenntnisse, welche man über eine an historischenDokumenten so arme Zeit besaß, die Erbitterung gegen die kirch-liche Gewalt, welche in ihr geherrscht hatte, und die eitle Selbst-genügsamkeit der neuern Zeit, alles das rief die Ansicht hervor,daß gewaltsamer Druck das einzige charakteristische Merkmal desbürgerlichen und religiösen Lebens im Mittelaltcr, Tyrannei undDespotiSmuS an der Tagesordnung gewesen seien. Darum be-schäftigte man sich, während eine Menge von Schriftstellern sichder alten Geschichte zuwendeten, so wenig mit der Geschichte der