Band 
Fünfter Band.
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vermieden und der Gedankengang scharf geordnet wird; indemAlles methodisch und logisch sich ordnet/ entsteht eine strenge Ge-nauigkeit/ eine fließende Bestimmtheit/ eine Entwicklung/ die niedas Ziel aus den Augen verliert.

Im Mittelalter war die antike Correktheit abhanden gekom-men und die neuere Analyse »och nicht gewonnen. ES herrschteein Uebergang ohne Kunst und Form/ eine unbestimmte Sprache;die Geister waren noch ungeübt. Damit eine Literatur ein eigen-thümliches und nationales Gepräge gewinne/ müssen Ueberlieferungund Dichtung der Geschichte und Kritik vorhergegangen sein.Nun hatte aber daö Mittelaltcr schöpferischen Ueberfluß im Ge-biet der Poesie/ wie wir in dem Maße bei keiner neuern Nation/die britische selbst nicht ausgenommen/ antreffen; cS hatte Tiefedeö Gefühls und auch daö erfindungsreiche Genie/- welches dembloß vervollkommnenden Talente so weit überlegen ist. Der Den-kende wird daher unserer Behauptung beistimme«/ daß die edelstenund ursprünglichsten Werke der Neuzeit im Mittelalter wurzelnoder sich an ihm begeisterten *).

Indessen bleibt wahr/ daß die Pflege der Einbildungskraftmehr als je von der des Verstandes getrennt war. Zwei Litera-turen standen sich gegenüber/ von denen die eine/ ganz auf Ueber-lieferung und Nachbildung beruhend/ sich abmühte/ neue Gedankenmit alten Worten auszudrücken und hiedurch ihre Ohnmacht nurdesto mehr verrieth. Viele Geister/ für die Poesie geboren/ fühl-ten freilich das Thörichte/ daS Wort von dem Gedanken/ die ge-lehrte Hervorbringung von der volksfaßlichen Verständlichkeittrennen' zu wollen; jedoch dachten sie noch nicht daran/ zu denlebenden Idiomen ihre Zuflucht zu nehmen; der Gebrauch hattesie noch nicht so zu sagen handlich gemacht und daS gelehrte Vor-urtheil hielt sie noch im Bann. So war dieser Schrifsteller Lagedie eines Bildhauers/ welcher sich in einem Lande befindet / woihm Material/ Muster und Aufträge zugleich fehle» **).

') Dante, Thomas v. Aguin, Thomas v. Kempis, ArivA, Tassso,Shakspeare, Calderon u. A.

*') Polhc. Lehser, Professor der Dichtkunst an der Universität v. Heim-st ädt, gab heraus eine Ilistvi'is, poetaruin et zwemntum ine,in ivviasoom, post nnaui» er nato 6bi',Kto 6660 sseulorllm. Uni«, Anxäob.1721. Hierin bezieht er sich auf eine Abhandlung, vo iicta meäii revidnrbai'ie, die uns nicht zn Handen gekommen, jedoch zeiht er frecher Un-wissenheit diejenigen, welche, <zn,n nesoiunt, nexant extitisse vi,-»s o«