Band 
Fünfter Band.
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der Zufall sie geboren werden ließ/ mit frei gewählten Vorschris-ren/ mit einstimmig gekürten Oberhäuptern zu vertauschen / undwo selbst für den niedersten Laienbruder die Möglichkeit gegebenwar/ sich zur Papstwürde zu erheben. Wir aber/ und gerne wie-derholen wir dieses/ achten die Wünsche/ die Neigungen/ sogardie Abneigungen des Volkes. An der Hand der Gerechtigkeit undmit solchen Ansichten und Gefühlen wollen wir darum einer noch-maligen Prüfung diese heroischen Zeiten unterwerfen/ währendwelcher bei allen europäischen Nationen Großmuth/ Tapferkeit/Edclmuth/ Frömmigkeit/ Hingebung der Einzelnen den Mangelan öffentlicher Gerechtigkeit auszugleichen suchen/ während dieEhre die Tyrannei mildert und die Sitten die Stelle von Ge-setzen vertreten.

UebrigenS betrachtet man in dem Grade diese Periode mirUnrecht als eine Periode der Unfruchtbarkeit und Ohnmacht zwi-schen der alten Bildung und der neuen Kultur/ daß ich sogar fastbehaupten möchte/ sie habe nichts von dem Wesentlichsten in derLiteratur und Wissenschaft der Alten zu Grunde gehen lassen.Das Wort civilisirt wird oft gleichbedeutend mit dem Wort un-terrichtet genommen und gar Viele legen der Wissenschaft einezu große Wichtigkeit bei; ohne Widerrede ist sie ein wichtigesElement der Civilisation/ welche im Geiste/ in der Thätigkeit undAusübung aller Fähigkeiten und Kräfte der Seele wurzelt; sie istjedoch nicht deren einziger Bestandtheil; nun ist es aber vielleichtgerade die Literatur/ welche am meisten zur Geringschätzung desMittelalters beitrug. Die der Alten war ohne Zweifel bewun-dernswcrth wegen der vollendeten Reinheit der Ausführung undder Form/ Eigenschaften / welche bestechen / selbst wenn die Ge-danken falsch/ mittelmäßig oder Geburten der Unwissenheit sind/denn daö Schöne ist in diesen Werken stets Gegenstand eines Kul-tus/ stets meisterhaft behandelt; und so mußte es auch sein beiWerke«/ die nur für eine kleine Anzahl von Lesern bestimmt waren,für jene Blüthe der Nation/ die darauf hielt/ von ihren Sklavenund Clienten nur die ausgearbeitetften Schriften wie die schönstenSratuen zu empfangen. Dagegen veranlaßte später die ganzverschiedene Bedeutung und Bestimmung des SchriftenthumS/ daßes weniger Sorgfalt aus die Form verwandte und jene Verichmel-zung der Kunst mit der Einfachheit/ worin die Alten unerreichbarblieben/ vernachläßigte. Dafür aber ist jedes Wort von der Ver-nunft eingegeben / wodurch jede Unklarheit / jede Abschweifung