Erstes Kapitel.Weltlage.
Der Zerfall des abendländischen oder weströmischen Reichesveränderte wenig die Lage der Länder/ welche dazu gehört hatte«/mit Ausnahme Italiens etwa; denn bereits unter den letzten Kai-sern waren diese Länder den Einfällen der Fremden oder demRechte des Starkem anheim gefallen. Dem ungeachtet ist dasEreigniß dieses Zerfalls von der höchsten Wichtigkeit in der Ge-schichte/ da eS/ selbst dem Ramen nach/ die Einheit/ welche sechsJahrhunderte lang die Welt umfaßt hatte/ zerstörte/ die Gestal-tung der alten Gesellschaft brach und einer Kultur Raum gab/deren Elemente der Mehrzahl nach neue waren.
Griechisches Reich.
DaS oströmische oder byzantinische Reich fühlte den fürchter-lichen Schlag nicht/ wohl mag es gar darob triumphirt haben austiefwurzelnder Eifersucht und weil eS sich der Weltherrschaft nurum so sicherer wähnte. ES umfaßte Kleinasien/ Syrien bis zumEuphrat/ später noch Kolchis und einen großen Theil Armeniens.In Afrika besaß es nur noch Egypten/ da die Vandalen sich derKüstenländer bemächtigt hatte»/ dagegen besaß es in Europa Thra-kien/ Makedonien/ Epiroö/ Griechenland. Die ehemals von Romabhängigen Provinzen in Spanien / Afrika und Gallien / welchedem Joch der Sueven/ Vandalen/ Westgothen oder Franken nochnicht unterworfen waren/ lockerte«/ doch zerrissen nicht gänzlichihre Verbindung mit dem oströmischen Reiche; selbst die unter-worfenen Länder betrachteten der Barbaren Herrschaft als eineUsurpation und die Kaiser/ die Nachfolger der Cäsaren/ als ihrerechtmäßigen Herren.