Band 
Fünfter Band.
JPEG-Download
 

80

Daß die Sieger den Besiegten die Benennung Römer bei-legte»/ ähnlich wie die Türken eS später in Griechenland thaten,mag alö Anerkennung dieses Verhältnisses erscheinen; dasselbebrachte indeß den entfernter« Ländern gar keinen Vortheil, denndie Kaiser, ihre Schlaffheit hinter der Maske deS Stolzes ver-bergend, betrachteten die westlichen Provinzen als barbarisch; ihreSprache und Bedürfnisse waren ihnen fremd, darum überließensie, ohne Mittel, sie zu vertheidigen, wie überhaupt gleichgültigum ihr Geschick, deren Verwaltung reichen Leuten oder Senato-ren, welche, als Statthalter (oouütö«), der That nach unabhän-gig waren und sich nur in Worten unterwürfig zu bezeigen hat-ten ; in Betreff der ehemals tributpflichtigen Reiche genügte einleerer Schein der Oberherrschaft den Kaisern vollkommen, diealle von den Soldaten auf dem Schilde erhobenen neuen Fürstenanerkannten.

Ganz anders aber war eS in Italien, welches dem Odoaker,oder vielmehr seinem und seiner Genossen furchtbaren Schwerterngehorchte. Als Wiege des KaiserthumS, raubten die schleichendenRänke oder die offenen Kämpfe der Griechen ihm die Ruhe, ohneihm die Freiheit zu verschaffen. Der über Italien sich entladendeSturm gewährte Konstantinopel einigen Frieden, allein bald ka-men andere Horden herbei, welche die griechische Hauptstadt be-drohten oder vertheidigten, während in deren Nähe die Persersich vergrößerten und den Namen der Artaxerxe nach Sonnen-aufgang bis zum Indus, nach Sonnenuntergang bis zum Tigrisgefürchtet machten.

Man kann sagen, daß damals ganz Europa und ein TheilAfrika'S von den Germanen bewohnt war, welche, ohne irgend einanderes Band, als gemeinsame Abstammung und Sprache, zwi-schen Konstantinopel und Irland in beständiger Bewegung warenund Abentheuer, Beute, Herrschaft, Krieg, eine Heimath suchten:im Solde der von ihnen gegründeten oder neu gekräftigten Reichekämpfend, trugen sie von Karthago bis nach Skandinavien Nach-richten über den Reichthum oder die Schwäche dieses oder jenesLandes.

Wandalen.

Unter den deutschen Stämmen waren die Wandalen die rohe-sten; in Afrika, wohin sie unter Genserich aus Spanien gekom.wen waren, vermehrten sie sich dergestalt, daß sie 160,000 Kriegerin'S Feld stellen konnten; die vordem so blühende Kultur im Va-