Band 
Fünfter Band.
JPEG-Download
 

113

großen Mann unter Allen/ welche, die kaiserlichen Paläste vonKonstantinopel inne gehabt haben *).

Er erwarb sich die Gunst des Kaisers dadurch/ daß er ihnvon Valentinian befreite; er hatte jedoch dem Feinde deS Kai-sers auf die geweihte Hostie Schonung des Lebens versprochen;und so befand er sich an der Spitze aller Heere des Reichs/ ohneje das Schwert gezogen zu haben. Er machte sich beim Volke da-durch beliebt/ daß er sich gut katholisch zeigte und dadurch/ daßer bei großartigen Festen zweimal hundert und zwanzig TausendGoldstücke während seines Consulats aufwendete. Er erwarb sichauch die Hinneigung der Senatore»/ welche unter dem schwachenAnastasiuS eine gewisse Macht erlangt hatten und unter wel-chen Offiziere der Palastwachc/ Leute/ die wohl eine Partei auf-recht halten oder stürzen konnten/ saßen. Von Golddurst getrieben/baren diese Justin/ seinen Neffen zum Mitregenten zu nehmen/und so entschloß er sich / wenn auch aus Eifersucht widerwillig/erschöpft/ wie er war / durch eine Wunde/ dem Justinian inGegenwart der Senatoren und des Patriarchen das Diadem zugeben (527,1. April). Justinian wurde im CircuS vom Volkebegrüßt; und als sein Oheim vier Monate nachher starb / sah.ersich im 45. Lebensjahre alS den Herrn deS OrientS.

Theodoren

Aber er selbst hatte wieder einen Herrn. Der Kypriote Aca-ciuö/ Bärenhüter der Partei der Grüne»/ ließ bei seinem Todeseine Familie in der größten Armuth zurück. An einem Tage/ woder Zulauf sehr groß war / setzt seine Wittwe ihre drei kleinenMädchen/ von denen daö älteste noch nicht ganz sieben Jahre

Jslvk, Stock. Stamm Sabatins und seine Mutter Biglcnica.Ligilanzia genannt.

') Man vcrgl. jedoch das Urtheil von Horrig (Handb. d. christl. Kirchen-gesch.): „Lbwohl die orientalischen Kaiser seit Julian einander nicknnach Erbfolgcrecht snecedirten, so scheint doch der Pedaniismns bei ihnenerblich gewesen zn sein. nnd Justinian dürfte hierin den Jnlian viel-leicht noch übertreffen. Sein unseliger Hang. alle Kircheugeschäste ansich zu ziehen, über alle Grübeleien zu Zänkereien zu schreiten, mußtenothwendig, von andern Folgen nichts zu sagen, sein Ansehen herabsetzen,statt cS zn befördern. Bei allem Glücke, das ihn in seinen Unternehmungenbegünstigte, nnd bei den vielen guten Eigenschaften nnd Kenntnissen, direr — besonders in der RechtSgclehrthcit — besaß, scheint doch jene Schwächemächtig durch. D- B.

Lautn, Weltgeschichte. V.

8